Der Abend war schwer von Duft, Laub und Blüten, als sie durch das Studentenwäldchen schritten. In der bleichen Dämmerung der Sommernacht raschelte es geschäftig auf den Bänken tief drinnen zwischen den Bäumen.

Ihr einsamer Schritt hallte in den ausgestorbenen Geschäftsstraßen wieder, deren hohe Häuser mit einem blauen Schein in den großen blanken Fensterscheiben wie ausgestorben lagen.

„Darf ich mit hinaufkommen?“ fragte er vor ihrer Tür.

„Ich bin müde, du,“ sagte Jenny leise.

„Ich möchte so gern ein wenig bei dir sitzen — findest du nicht, daß wir es sehr nötig haben, einmal für uns allein zu sein?“

Sie widersprach nicht mehr, sondern stieg die fünf Treppen vor ihm hinan.

Die Nacht breitete sich blau über ihren Häuptern und blickte durch die großen schrägen Dachfenster zu ihnen hinein. Jenny entzündete den siebenarmigen Leuchter auf dem Schreibtisch, nahm eine Zigarette und hielt sie in die Flamme.

„Willst du rauchen, Helge?“

„Danke.“ Er nahm ihr die Zigarette von den Lippen.

„Das ist es eben, siehst du,“ sagte er plötzlich. „Da war einmal etwas mit Vater und — einer anderen Frau. Ich war damals zwölf Jahre alt. Wieviel daran wahr ist, weiß ich ja nicht. Aber Mutter —. Oh, es war eine fürchterliche Zeit. Nur unseretwegen blieben sie zusammen — das hat Vater selbst einmal gesagt. Der Herrgott weiß, ich danke ihm das nicht. Mutter ist jedenfalls ehrlich und gibt zu, daß sie ihn mit Händen und Füßen festhält, sie will ihn nicht freigeben.“