Als er kurz darauf sein Antlitz hob und ihre Augen sich trafen, legte sie ihre Hand um seinen Nacken, und, überwältigt von einem unendlich verzweifelten, zarten Mitleid, küßte sie ihn auf Stirn und Wange.
Sie erschrak hinterher selbst, als sie auf sein Gesicht mit den geschlossenen Augen herniederblickte, wie es an ihrer Schulter ruhte. Aber dann richtete er sich sanft auf und erhob sich.
„Danke, kleine Jenny.“
Gram legte die Blätter in die Mappe zurück und räumte den Tisch ab.
„Ja, Jenny, ich wünsche dir, du mögest recht, recht glücklich werden. Du bist so jung und hell, so frisch und energisch und begabt. Mein liebes Kind — du bist so, wie ich es selbst hatte sein wollen. Ich erreichte es aber niemals.“ Er sprach mit leiser, geistesabwesender Stimme.
„Ich glaube,“ sagte er kurz darauf ganz ruhig, „solange ein Verhältnis neu ist und man sich noch nicht eingelebt hat, kann einem so vieles begegnen, das schwer zu überwinden ist. Ich wünschte, ihr wohntet später nicht hier in der Stadt. Ihr sollt allein sein — in der ersten Zeit — fern von Verwandtschaft und dergleichen.“
„Helge hat ja die Stellung in Bergen beantragt, weißt du,“ sagte Jenny. Wieder überfiel sie diese närrische Verzweiflung und Angst, wenn sie an ihn dachte.
„Sprichst du nie mit deiner Mutter über diese Dinge, Jenny? Warum nicht? Hast du deine Mutter nicht lieb?“
„Doch, gewiß habe ich Mama lieb.“
„Du solltest sie um Rat fragen, mit ihr reden —“