„Es nützt mir nichts, andere um Rat zu bitten. Ich mag nicht über solche Dinge mit anderen sprechen,“ sagte sie abweisend.
„Nein, nein. Du bist —“ Er stand dem Fenster halb zugewandt, als er plötzlich zusammenfuhr und leise und aufgeregt ihr zuflüsterte:
„Jenny — sie geht dort vorüber!“
„Wer?“
„Sie — Rebekka.“
Jenny erhob sich. Sie hatte das Gefühl, als müßte sie schreien, vor Erbitterung und Ekel. Ein Zittern überfiel sie, jede Fiber in ihr krampfte sich zusammen, lehnte sich auf. Sie wollte nicht hineingezogen werden in all das Häßliche, Schauderhafte, in dieses Mißtrauen, diesen Hader, diese haßerfüllten Worte, Zänkereien und Szenen ... Nein, sie wollte nicht da hinein —.
„Jenny, du bebst ja, Kind — du solltest keine Furcht haben, dir darf sie nichts tun —.“
„Das ist es nicht — ich bin nicht ängstlich.“ Sie wurde plötzlich kalt und hart. „Ich bin hier gewesen, um dich zu holen — wir haben uns die Mappen angesehen und nun trinke ich bei euch Tee.“
„Es ist ja nicht sicher, daß sie etwas gesehen hat —“
„Das brauchen wir, weiß Gott, auch nicht zu verbergen! Weiß sie nicht, daß ich hier gewesen bin, so erfährt sie es eben. Ich gehe mit dir nach Hause, hörst du? Wir müssen es tun, sowohl deinet- als auch meinetwegen —.“