Eine Weile war es still.
„Und du — bliebst bei ihr,“ sagte Jenny leise.
„Wir hatten beide Kinder. Ich sah damals noch nicht ein, daß ich nicht den geringsten Einfluß auf meine eigenen Kinder gewinnen würde. Schon gar nicht, wenn eine andere als ihre Mutter mein ganzes Herz und meine ganze Seele besaß. Sie war auch verheiratet. Schlecht verheiratet. Hatte ein kleines Mädchen. Das hätte sie wohl mit sich nehmen können. Der Mann war ein Trinker.
Ja, das war auch ein Teil der Strafe, siehst du — Strafe für das Verhältnis, in das ich mich eingelassen hatte — mit jener. Das mir nie etwas anderes gegeben hat als Befriedigung meiner Sinne —. Unser Verhältnis war zu schön, als daß es aus Lüge bestehen konnte. Unsere schöne, herrliche Liebe mußten wir verbergen wie ein Verbrechen —. Oh, kleine Jenny! — Es gibt kein anderes Glück, siehst du —.“
Sie ging zu ihm hin, während er sich erhob. Sie standen dicht beieinander, ohne sich zu rühren, und ohne zu sprechen.
„Ich muß gehen, Kleines,“ sagte er plötzlich gezwungen und trocken. „Ich muß zur üblichen Zeit zu Hause sein, weißt du. Sonst wird sie nur argwöhnisch —.“
Jenny nickte.
Gert Gram ging zur Tür, Jenny begleitete ihn.
„Du darfst nicht fürchten, daß dein Herz nicht lieben kann,“ lachte er plötzlich still. „Ich glaube, es ist ein stolzes kleines Herz, Jenny — und warm! Willst du mich weiter zu deinen Freunden rechnen?“
„Ja,“ sagte Jenny leise und reichte ihm die Hand. Er beugte sich nieder und küßte sie lange — länger als sonst.