Jenny lachte. Gunnar wanderte im Zimmer auf und ab.
„Hjerrild arbeitet wahrscheinlich jetzt auch an einem Buch über die Sphinx. Zufällig kenne ich die Heldin etwas näher. Nun ja, sie stand mir nicht so nahe, daß ich es der Mühe für wert hielt, sie durchzuprügeln. Aber immerhin hatte ich sie doch gern, und die ganze Sache widerte mich daher an. Mir wurde übel, als ich entdeckte, daß sie eben diese Heldin sein sollte. Aber durch die Arbeit bin ich darüber hinweggekommen, weißt du. — Im großen und ganzen, Jenny, gibt es kein Leid, das nicht durch die Arbeit zu überwinden wäre, glaube ich.“
Jenny schwieg eine Weile.
„Aber Cesca ...?“ fragte sie dann.
„Ach, Cesca! Sie hat sicher, seit sie verheiratet ist, keinen Pinsel angerührt. Als ich sie besuchte, öffnete sie mir selbst die Tür — sie haben kein Mädchen. Sie trug eine gestreifte Küchenschürze und hielt einen Besen in der Hand. Ihre Wohnung besteht aus einem Atelier und zwei kleinen Löchern, und im Atelier können sie natürlich nicht beide zugleich arbeiten, und außerdem legt die Wirtschaft ihre ganze Zeit mit Beschlag, wie sie sagte. Am ersten Vormittag, als ich dort war, krabbelte sie die ganze Zeit auf dem Fußboden herum — Ahlin war fort. Erst fegte sie mit einem Besen aus, dann kroch sie umher und wirtschaftete mit einer Hasenpfote unter den Möbeln, sie war nach diesen kleinen Flocken in den Winkeln aus, weißt du. Und dann scheuerte sie und wischte Staub, aber Herr im Himmel, wie ungeschickt sie alles anpackte! Dann ging ich mit ihr fort und kaufte zum Mittagessen ein, ich sollte bei ihnen essen. Später kam Ahlin; da verschwand sie in der Küche, und als das Essen endlich fertig war, da waren ihre kleinen Löckchen ganz naß vom Schweiß. Das Mittagessen war aber nicht schlecht. Sie wusch dann auf — aber wie ungeschickt und schwerfällig — rannte fort und spülte jedes Stück unter der Wasserleitung ab. Ahlin und ich halfen ihr. Zum Abendessen lud ich sie in die Stadt ein — die arme Cesca genoß es, sie freute sich, auf diese Weise nicht kochen und aufwaschen zu müssen. Kommen da noch Kinder hinzu — und das wird ja nicht ausbleiben — so kannst du sicher sein, daß es mit Cescas Malerei aus ist. Und das wäre bei Gott eine Schande — ich kann mir nicht helfen, aber es wäre sehr schade.“
„Ach, ich weiß nicht, Gunnar. Für eine Frau sind ja doch Mann und Kinder die Hauptsache. Früher oder später wird man sich jedenfalls doch danach sehnen.“
Gunnar blickte zu ihr hinüber. Dann seufzte er.
„Wenn sie sich nur gern haben! Glaubst du, daß Cesca glücklich mit Ahlin ist?“
„Wenn ich das wüßte, Jenny! Ja, ich glaube wohl, sie hat ihn sehr gern. Es ging jedenfalls dauernd ‚Lennart meint‘ und ‚findest du die Sauce gut, Lennart‘ und ‚willst du‘ und ‚soll ich‘. Sie hat sich natürlich ein fürchterliches Halbschwedisch angeeignet, wie du dir denken kannst. Ich muß sagen, ich verstehe das Ganze nicht recht — er war ja so verliebt in sie, und er ist nicht tyrannisch oder brutal, im Gegenteil. Aber sie ist so merkwürdig gedrückt und demütig geworden, die kleine Cesca. Daran können doch nicht nur diese Hausfrauensorgen Schuld sein, obgleich diese sie recht bedrücken. Ihre Anlagen waren in dieser Beziehung ja nicht gerade hervorragend, andererseits aber ist sie auf ihre Art ein gewissenhaftes kleines Wesen. Außerdem scheinen sie in sehr kleinen Verhältnissen zu leben. — Vielleicht,“ er lachte etwas frivol, „hat sie diesen oder jenen genialen Streich vollführt. Die Brautnacht dazu benutzt, von Hans Hermann und Norman Douglas zu erzählen, von Hjerrild und ihren anderen Erlebnissen, von Anfang bis zu Ende. Das kann ja dann leicht überwältigend gewirkt haben.“
„Cesca hat nun wahrhaftig aus ihren Geschichten nie einen Hehl gemacht, die mußte er doch von früher her kennen.“