„Ja, aber Gunnar, die Frau hat natürlich andere Aufgaben.“
„Ach still, das ist gar nicht der springende Punkt. Sie wollen ja überhaupt nicht Menschen sein und arbeiten, sondern nur Weibchen. Was zum Teufel soll das heißen, eine ganze Schar von Kindern in die Welt zu setzen, wenn sie doch nicht zu Menschen heranwachsen, sondern nur weiter fortpflanzen — wenn die Rohprodukte nicht bearbeitet werden?“
„Das stimmt allerdings,“ Jenny lachte.
„Natürlich stimmt das. Und was die Frau betrifft ... Ach, ich habe es von Kindheit an verfolgt und beobachtet. Aus meiner Zeit auf der Arbeiterhochschule entsinne ich mich eines Mädchens, mit dem ich zusammen englischen Unterricht hatte. Sie lernte englisch, um mit den ausländischen Kriegsschiffmatrosen sprechen zu können. Das Höchste, für das sich diese Mädels einzusetzen vermochten, war die Hoffnung auf eine Stellung in England oder Amerika. Wir Jungen, meine Kameraden und ich, wir studierten, um zu lernen, und das Gehirn zu schulen. Wir versuchten auf jede Art und Weise, das Wenige zu ergänzen, was wir in der Schule gelernt hatten. Die Mädels dagegen lasen nur Unterhaltungsbücher. Nimm zum Beispiel den Sozialismus! Kennst du eine einzige Frau, die überhaupt eine Ahnung davon hat, was er eigentlich bedeutet? Sie wissen es, wenn sie einen Mann haben, der ihnen diesen Begriff klargemacht hat. Versuche aber einer Frau zu erklären, warum die menschliche Gesellschaft verpflichtet ist, jedem Kinde, das geboren wird, die Möglichkeit zu geben, seine Anlagen zu entwickeln, wenn solche vorhanden sind, und das Leben in Freiheit und Schönheit zu leben, wenn es den wahren Sinn der Freiheit begreift und Schönheitssinn besitzt.
Was aber halten die Frauen für Freiheit? Es bedeutet für sie, daß sie jeder Arbeit ledig sein und ihrem Hang zur Unanständigkeit die Zügel schießen lassen dürfen. Und Schönheitssinn?! Der fehlt ihnen vollständig! Sie staffieren sich mit dem Teuersten und Abscheulichsten aus, was die Mode nur erfinden kann. Sieh dir doch ihre Häuser an! Je mehr Geld vorhanden, desto schlimmer sieht es in ihnen aus. Ist jemals eine Mode zu häßlich und schamlos, daß sie sich ihr nicht unterwerfen würden? Nein, wenn die Mittel nur da sind, wird alles mitgemacht. Das kannst du doch nicht abstreiten? — Von der Moral der Frauen will ich keine Silbe sagen, denn sie haben keine. Lassen wir es noch hingehen, wie sie sich gegen uns betragen — aber wenn ihr unter euch seid, so beklascht ihr euch gegenseitig und in welchen Tonarten! Pfui Teufel!“
Jenny lächelte leise. Sie mußte ihm Recht geben und auch wieder nicht, aber sie war zu einer Diskussion nicht aufgelegt. Sie fand aber, daß sie antworten müßte, so sagte sie:
„Das war eine grausame Salve — die ganze Armee auf einmal ruiniert.“
„Du kannst es schriftlich bekommen,“ sagte er zufrieden.
„Ja, du hast ja in vieler Beziehung Recht, Gunnar. Aber es sind doch unter den Frauen Unterschiede zu machen und seien es auch nur Gradunterschiede.“
„Natürlich sind Unterschiede zu machen. Aber laß es gut sein, Jenny, was ich sagte, gilt bis zu einem gewissen Grade auch allen, und weißt du, woher das kommt? Die Hauptsache ist euch allen ein Mann — einen, den ihr habt, oder einer, der euch fehlt. Das Einzige, das im Leben von wirklichem Wert und wirklichem Ernst ist — das hat für euch in Wirklichkeit keinen Wert. Ich meine die Arbeit. Die Besten unter euch nehmen es eine kurze Zeit hindurch ernst. Aber ich glaube wahrhaftig, das liegt daran, daß ihr die sichere Gewißheit habt, während ihr noch jung und schön seid, daß ‚er‘ wohl kommen wird. Geht die Zeit jedoch hin, und er zeigt sich noch immer nicht auf dem Schauplatz, fangt ihr dann an, betagter zu werden, so laßt ihr in der Arbeit nach, geht müde und mißmutig umher und fühlt euch unbefriedigt.“