Jenny nickte.

„Hör zu, Jenny. Ich habe dich immer ebenso hoch geschätzt wie einen ganzen Mann. Du bist jetzt bald neunundzwanzig Jahre, und so alt muß man sein, ehe man anfangen kann, einigermaßen selbständig zu arbeiten. Es ist doch nicht dein Ernst, daß du jetzt, nun du endlich dein eigenes Leben zimmern kannst, dir einen Mann und Kinder, Wirtschaft mit allem Drum und Dran aufladen möchtest, was dir an allen Ecken und Kanten Fesseln auferlegen, in deiner Arbeit immer nur im Wege sein würde?“

Jenny lachte still.

„Herrgott, Mädel! Wenn dir nun wirklich alles das beschert wäre, und du legtest dich hin, um zu sterben, umgeben von Mann und Kindern und deiner Welt, so würdest du doch bereuen und trauern, daß du nicht das Ziel erreichtest, wozu dir die Fähigkeiten zu Gebote standen, dessen bin ich sicher, Jenny!“

„Ja. Aber: Gesetzt den Fall, ich habe das Aeußerste erreicht, was meine Kraft mir gestattete, und ich weiß, in meiner Sterbestunde, daß mein Leben und meine Arbeit mich eine Zeitlang überdauern wird, und ich bin allein, es gibt kein lebendes Wesen, das mir innerlich nahe steht ... Glaubst du nicht, daß ich dann erst recht trauern und bereuen werde?“

Heggen schwieg.

„Ja gewiß,“ sagte er nach einer Pause. „Natürlich bedeutet Ehelosigkeit nicht das gleiche für Frauen wie für uns Männer. Man muß wohl in Betracht ziehen, daß sie außerhalb dessen gestanden haben, um das die Leute nun einmal am meisten Wesen machen in diesem Leben; und daß auf diese Weise eine ganze Reihe von seelischen wie körperlichen Organen unberührt dahinwelken muß. — Ach, Jenny, ich wünschte oft, daß du ein einziges Mal nur ein wenig leichtsinnig wärest, um mit dieser Unzufriedenheit abzurechnen und dann in Ruhe und Frieden weiterarbeiten zu können.“

„Frauen, die einmal ein wenig leichtsinnig gewesen sind, wie du es nennst, Gunnar, können nicht ohne weiteres mit dieser Unzufriedenheit fertig werden. War es das erste Mal eine Enttäuschung, so hoffen sie auf mehr Glück beim nächsten. Und wieder beim nächsten und immer so fort. Man gibt sich nicht mit Enttäuschungen zufrieden. Und ehe man sich’s versieht, ist es eine ganze Reihe von Malen geworden.“

„Zu denen gehörst du aber nicht,“ sagte er schnell.

„Danke! Es ist mir übrigens neu, daß du dergleichen predigst. Du hast früher selber gesagt, daß Frauen, die sich einmal in solche Dinge verwickelt haben, immer untergehen!“