„Die meisten wohl. Aber es muß auch einige andere geben. Ich spreche natürlich nicht von Frauen, die keine anderen Lebensinteressen haben, als einen Mann — man kann ja nicht dauernd seinen Lebenszweck ändern. Ich meine die anderen, die etwas an sich bedeuten — etwas anderes sind als nur Weibchen. Warum solltest zum Beispiel du nicht ehrlich und loyal an einem Manne handeln, selbst wenn ihr Beide einsähet, daß du nicht deine Welt aufgeben und dich verpflichten kannst, für den Rest des Lebens nur sein Weib zu sein? Denn die Liebe hört ja immer einmal auf, früher oder später. Das darfst du um Gotteswillen nicht anzweifeln!“

„Ja, das wissen wir immer genau — und zweifeln trotzdem daran.“ Sie lachte. „Ach nein. Entweder liebt man — und dann glaubt man auch, es währt ewig und es ist das Einzige, das Wert hat. Oder man liebt nicht — und ist unglücklich, daß man es nicht tut.“

„Jenny, ich kann es nicht mit anhören, daß du so sprichst. Sich seiner Kraft bewußt sein, alle Muskeln spannen, bereit sein, aufzunehmen und zu erobern, zu formen und zu gestalten, das Letzte aus seinem Können ans Tageslicht bringen, arbeiten, das ist das Einzige, das Wert besitzt, Jenny!“

X.

Jenny beugte den Kopf über Gert Grams Chrysanthemenstrauß:

„Ich bin sehr froh, daß du meine Bilder so gut findest!“

„Ja, ich mag sie gern. Besonders das Bildnis von dem jungen Mädchen mit den Korallen.“

Jenny schüttelte den Kopf.

„Es ist so wunderschön in den Farben,“ sagte Gram wieder.

„Ja. Es ist aber unzusammenhängend. Der Schal und das Kleid — es hätte ganz anders durchgearbeitet sein müssen. Aber gerade, als ich es malte, kam so viel anderes dazwischen, sowohl für Cesca als für mich,“ sagte sie leise.