„Ueber alles,“ schluchzte sie.
„Setz dich — so.“
Er lag vor ihr auf den Knien und eine Sekunde senkte er seine Stirn auf ihren Schoß. „Du darfst nicht meinetwegen so weinen, hörst du? Um nichts auf der Welt möchte ich meine Liebe zu dir hergeben. Mein geliebtes Mädchen, hast du einmal einen Menschen geliebt und hinterher gewünscht, es wäre nie geschehen? — Dann hast du dennoch nicht geliebt, das, kannst du mir glauben, ist wahr. Jenny, ich möchte das nicht missen, was ich für dich fühle, nicht um mein Leben! Doch auch um deinetwillen sollst du nicht weinen. Du wirst glücklich werden, das weiß ich. Von allen Männern, die dich lieben werden, wird eines Tages einer, wie jetzt ich, vor dir liegen und sagen, das ist das Leben, so vor deinen Füßen liegen zu dürfen, und du wirst selber glauben, das sei das Leben. Dann wirst du begreifen, daß so das Glück aussieht; so mit ihm zu sitzen, und sei es in der armseligsten Hütte, eine einzige kurze Ruhestunde lang nach einem Tage grauester, schwerster Mühsal —. Weit weit größeres Glück ist es dir dann, als wenn du die größte Künstlerin wärest, die gelebt hat, als wenn du all das erreichtest, was man an Ehren und Berühmtheit erreichen kann. Daran glaubst du selber auch, nicht wahr?“
„Ja,“ flüsterte sie unter Tränen.
„Und du sollst nicht fürchten, daß das Glück dir nicht zuteil werden könnte. — Nicht wahr, Jenny, die Sehnsucht fühlst auch du, nachdem du gekämpft, um ein guter und tüchtiger Mensch und ehrlicher Künstler zu werden, die Sehnsucht, einem Manne zu begegnen, der dir sagt, dein Kampf war recht, und der dich darum lieb hat?“
Jenny nickte. Gram küßte ehrfürchtig ihre Hände.
„Du bist ja schon so gut und fein, stolz und herrlich. Ich sage es dir, und eines Tages wird ein Mann, der jünger und besser und stärker ist als ich, das Gleiche sagen und du wirst froh werden, ganz froh. Bist du nicht ein ganz klein wenig glücklich darüber, daß ich sage, du seiest das beste, liebste und wunderbarste Mädchen auf der Welt? Blick mich an, Jenny. Kann ich dir nicht eine kleine Freude machen, wenn ich dir sage, ich glaube, du wirst des Lebens reichstes Glück kosten dürfen, weil du es verdienst?“
Sie blickte auf sein Antlitz nieder und versuchte ein schwaches Lächeln. Dann senkte sie den Kopf und strich mit den Händen über sein Haar:
„O Gert — o Gert — ich kann doch nichts dafür! Ich wollte dir ja nicht wehe tun. Ich kann nichts dafür — nicht wahr?“
„Darüber solltest du nicht traurig sein. Kleines — ich habe dich lieb, weil du dein Ziel, nach dem du strebst, ja schon erreicht hast, weil du so bist, wie ich einmal hatte sein wollen —. Du darfst nicht traurig sein, selbst wenn du meinst, du hättest mir Leid zugefügt. Es gibt Leiden, die gut sind — gesegnet gut, glaube mir.“