Es war jedenfalls besser für Gert, daß er jetzt allein war. Hatte sie es erreicht, daß er dem Zusammenleben mit jener ein Ende gemacht, so hatte sie ihm doch etwas Gutes getan.

Jenny gegenüber saßen zwei junge Frauen. Sie waren vielleicht nicht älter als sie, nur verkommen und verbraucht von dem Leben in langjähriger Ehe. Vor drei, vier Jahren waren es vielleicht noch ein paar hübsche Geschäftsmädchen gewesen, die sich putzten und mit ihren Kavalieren in den Nordmarken Sport trieben. Ja, jetzt glaubte sie, das Gesicht der einen von dort her wiederzuerkennen — sie hatten an einem Osterfest zusammen auf Hakloa übernachtet. Sie war Jenny sogar aufgefallen mit ihrer geschmeidigen Gestalt und weil sie so gut Ski lief und so keck und schick in der Sportstracht ausgesehen hatte.

In gewisser Beziehung war sie noch heute herausgeputzt. Das Straßenkostüm war modern, aber es saß nicht und die Figur hatte keine Festigkeit mehr, sie war behäbig und dick geworden, während Schultern und Hüften dabei eckig geblieben waren. Das Gesicht erschien alt, die Zähne waren schlecht, mürrische Furchen zogen sich um den Mund. Das Ganze krönte ein großer Hut mit vielen Straußenfedern. Sie predigte und die Freundin hörte eifrig zu, mit gespreizten Knien träge dasitzend, die Hände in einem Riesenmuff auf dem schwangeren Leibe vergraben. Eigentlich war ihr Gesicht hübsch, aber fett und rotfleckig, mit einem Doppelkinn.

„Ja, den Käse muß ich also im Büfett verschließen; kommt er hinaus in die Küche, dann sind am anderen Morgen nur Rinden übrig. Ein schwerer Schweizer Käse zu fast drei Kronen das Pfund!“

„Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen.“

„Aber nun sollen sie etwas hören! Hinter Eiern ist sie her wie — ich weiß nicht was. Neulich komme ich ins Mädchenzimmer — sie ist unglaublich schmutzig — und da riecht es in der Kammer ...! Die Betten sind nicht gemacht — wer weiß wie lange Zeit. Nein, aber Solveig, sage ich, und als ich die Decke hochhebe, da hat sie drei Eier und eine Papiertüte mit Zucker in dem schmutzigen Bett liegen — was sagen Sie dazu? Na, sie sagte, sie hätte alles selber gekauft, und das mag bei dem Zucker wohl stimmen —.“

„Ja, das glaube ich auch,“ sagte die andere.

„Na ja, der war ja auch in einer Tüte, aber die Eier hat sie genommen. Ich sagte ihr das aber auch, können Sie mir glauben. Aber nun sollen Sie etwas hören! Letzten Sonnabend komme ich in die Küche, wir sollten Reisbrei zu Mittag haben, oho, da steht der Topf auf dem Gase und amüsiert sich, während das Mädel in ihrer Kammer sitzt und häkelt. Und ich rufe sie und rühre inzwischen im Topf herum — und was glauben Sie, was ich mit der Kelle auffische? Ein Ei, wollen Sie das glauben? Sie kocht sich ein Ei im Reisbrei, na ich mußte lachen, aber können Sie sich eine solche Schweinerei vorstellen? Ich sagte ihr aber meine Meinung und zwar gehörig. Was sagen Sie nur dazu?“

„O Gott, Dienstmädchen. — Ja, wissen Sie, was meine neulich gemacht hat? ...“

Diese beiden hatten sich als junge Mädchen sicher auch nach Liebe gesehnt — auf ihre Art. Nach einem frischen und strammen Burschen in fester Stellung, einem Manne, der sie von den einförmigen Arbeitstagen im Büro oder Geschäft erlöste, sie in ein kleines Heim brachte, in dessen drei Zimmern sie all ihre eigenen Kleinigkeiten ausbreiten durften, all diese Stickereien mit Heckenröschen und blauen Glockenblumen, in die sie ihre Mädchenträume verwoben hatten.