Cesca las noch immer an ihrem Brief. Er war von ihrem Manne. Ihr Leinenkleid leuchtete weiß gegen den blauen Kies des Bahnsteigs.

Gunnar Heggen hatte sein Gepäck auf dem hinteren Sitz des Wägelchens verstaut. Er liebkoste das Pferd und plauderte mit ihm, während er auf die Damen wartete.

Cesca steckte ihren Brief fort, hob den Kopf und machte eine Bewegung, als wollte sie etwas verjagen.

„Ja, du mußt entschuldigen, mein Junge — jetzt können wir fahren.“ Sie und Jenny setzten sich auf den Vordersitz; Cesca lenkte selbst. „Das ist furchtbar gemütlich, Gunnar, daß du kommen konntest! Ist es nicht famos, daß wir drei wieder einige Tage zusammen sein können? Ich soll euch beide von Lennart grüßen!“

„Danke. Geht es ihm gut?“

„O ja. Er berichtet nur Gutes. Es war wirklich genial von Papa und Borghild, daß sie wegreisten. Ich bin jetzt mit Jenny allein auf dem Hof, siehst du, und die alte Gina steht Kopf für uns — das ist herrlich!“

„Ja, es macht Freude, euch wiederzusehen, Mädelchen!“

Er lachte sie beide so offenherzig an. Aber Jenny bildete sich ein, sie hätte einen merkwürdig ernsten Schimmer dahinter gesehen. Sie wußte, daß sie verwelkt und müde aussah, Cesca in dem billigen, fertiggekauften Leinenkleid glich einem Backfisch, der alt zu werden anfing, ohne erwachsen gewesen zu sein. Es war ihr, als sei Cesca kleiner geworden in diesem Jahre, aber sie zwitscherte und plauderte in einem fort — was sie zum Mittagessen bekamen und zum Kaffee, ob sie ihn im Garten trinken sollten, und von all dem Likör und Whisky und Selterwasser, was sie eingekauft hatte.

Als Jenny in der Nacht in ihr Zimmer hinaufkam, setzte sie sich auf das Fensterbrett und ließ sich den frischen Luftzug, der mit den Gardinen spielte, über das Antlitz wehen. Sie war ziemlich berauscht — ganz unbegreiflich war es ihr, aber Tatsache.

Sie konnte nicht verstehen, wie es zugegangen war. Anderthalb Glas Whisky und einige Gläschen Likör war alles, was sie getrunken, und sogar nach dem Abendessen — allerdings hatte sie nicht viel gegessen, aber sie hatte augenblicklich keinen Appetit. Starken Kaffee hatte es auch gegeben.