Cesca hatte es schwer gehabt das Jahr hindurch, während sie verheiratet gewesen, das merkte Jenny. Sie war so klein und schüchtern geworden. Furchtbar beschränkt waren ihre Verhältnisse, und sie saß abends eine Stunde nach der anderen auf Jennys Bettrand und klagte über ihre häuslichen Widerwärtigkeiten. Stockholm war so teuer und billiges Essen herzustellen war schwer, wenn man so etwas nicht gelernt hatte. Alle Hausarbeit ging schwer von der Hand, wenn man so irrsinnig erzogen worden war wie sie. Und es war zum Verzweifeln, daß man die Arbeit, kaum daß sie getan war, wieder von neuem in Angriff nehmen mußte. Sowie sie das Haus gereinigt hatte, war es wieder schmutzig, und kaum war sie mit dem Essen fertig, mußte aufgewaschen werden — und dann hatte sie schon wieder Essen zu kochen und wieder abzuwaschen. — Wenn Lennert auch versuchte, ihr zu helfen, so war er doch ebenso ungeschickt und unpraktisch wie sie selbst. Dazu kamen ihre Sorgen um ihn — das Monument hatte er nicht bekommen — niemals begegnete er einer Anerkennung, trotzdem er doch so begabt war. Er war aber nur zu vornehm, sowohl als Mensch wie als Künstler. Das war nun eben nicht zu ändern, sie wünschte ja auch nicht, daß er anders wäre. Dann diese langwierige Krankheit im Frühling — zwei Monate hatte er an Scharlachfieber und Lungenentzündung und anderen Krankheiten, die eine Folge davon waren, gelegen — diese Zeit hatte Cesca furchtbar angegriffen.

Da war aber etwas anderes, wovon Cesca nicht sprach — das fühlte Jenny. Jenny wußte auch, sie konnte nicht so gegen Cesca sein wie früher, sie hatte nicht mehr das ruhige Herz und den offenen Sinn, um anderer Sorgen hinnehmen und trösten zu können. Es schmerzte sie, daß sie Cesca nicht helfen konnte.

Cesca war eines Tages nach Moß gefahren, um Einkäufe zu machen. Jenny wollte sie nicht begleiten, so blieb sie denn daheim und vertrieb sich die Zeit im Garten. Sie las, um nicht zu denken, und begann, Muster zu stricken, weil sie die Gedanken nicht bei ihrer Lektüre sammeln konnte. Aber sie verzählte sich bei der Arbeit, mußte trennen und strickte wieder, indem sie sich zwang, aufzupassen.

Cesca kam nicht zum Essen nach Hause, wie sie versprochen hatte. Jenny aß schließlich allein und beschäftigte sich den Nachmittag über, so gut es ging. Sie rauchte, aber die Zigaretten schmeckten nicht, sie strickte, aber die Arbeit sank ihr jeden Augenblick in den Schoß.

Endlich gegen zehn Uhr fuhr Cesca die Allee herauf. Jenny war ihr entgegengegangen. Gleich nachdem sie zu ihr auf das Wägelchen gestiegen war, sah sie, daß irgendetwas vorgefallen sein mußte. Aber keine von ihnen sprach.

Erst gegen Ende der Mahlzeit, als sie bei der letzten Tasse Tee saßen, sagte Franziska, ohne Jenny anzublicken, leise:

„Weißt du, wen ich heute in der Stadt traf?“

„Nein?“

„Hans Hermann. — Er ist zu Besuch auf Jelö. Dort lebt ein altes, reiches Fräulein Oehrn, bei der er wohnt. Sie protegiert ihn sozusagen in Allem.“

„Ist seine Frau mit?“ fragte Jenny nach einer Weile.