In dem Augenblick, als der Zug anruckte und davon zu gleiten begann, erblickte sie Gert. Er kam langsam den Bahnsteig herauf; hinter den anderen, Mutter und Schwester, die mit ihren Taschentüchern winkten, grüßte er herüber. Wie bleich er war.

Der erste September. Jenny saß am Fenster und sah hinaus in die vorübergleitende Landschaft.

Es wurde ein schöner Tag. Die Luft war so klar und frisch, der Himmel so dunkelblau und die Wolken so weiß. Der Tau lag schwer und grau über den saftiggrünen Wiesen, auf denen der Margueriten später Flor schimmerte. Nach dem heißen Sommer waren die Birken am Waldrande ganz gelb und über den Waldboden hin schlängelte sich kupferrotes Blaubeerengebüsch. Die Büschel der Ebereschen waren blutrot, aber an einer etwas tiefgelegenen fruchtbaren Stelle hingen sie noch dunkelgrün im Laub. Welche Farben!

Auf den kleinen Hügeln zwischen den Wiesen lagen die alten, silbergrauen Gehöfte, auch neue, weißschimmernde und gelbe, mit roten Nebengebäuden. Davor standen alte verkrüppelte Apfelbäume mit gelben und glasgrünen Früchten in dunklem Laub.

Immer wieder blendeten Tränen ihren Blick. Wenn sie zurückkehrte — ob sie jemals hierher zurückkam?

Bei Moß trat der Fjord leuchtend blau hervor. Die Stadt zog sich mit ihren roten Fabrikmauern am Kanal entlang, die kleinen bunten Holzhäuser inmitten der Gärten lachten herüber. Sie hatte so oft gedacht, wenn sie vorüberfuhr, hier wollte sie sich einen Sommer über niederlassen und malen.

Der Zug brauste an der kleinen ländlichen Station vorüber, wo man nach Tegneby ausstieg. Jenny sah über die Aecker, dort lief die Fahrstraße. Der Hof lag weit drüben hinter dem Nadelwäldchen.

Sie erblickte den Kirchturm. Eigenartige kleine Cesca, sie ging oft in die Kirche, fühlte sich sicher und geborgen in der alten Stimmung, die dort überirdischen Kräften entsprang. Sie glaubte an etwas, wußte selbst nicht, was, aber sie hatte sich eine Art Gott zurechtgemacht.

Sie war doch froh darüber, daß Cesca jetzt besser mit ihrem Mann zusammenzuleben schien. Er habe sie nicht verstanden, schrieb sie, aber er sei doch so wunderbar zart und lieb gewesen, und fest davon überzeugt, daß sie mit Willen nie etwas Schlechtes tun würde.

Seltsame kleine Cesca. Ihr mußte es ja schließlich gut gehen. Cesca war rechtschaffen und gut. Gerade das aber war sie selber nicht, keines von beiden im eigentlichen Sinne.