„Ich bin hysterisch,“ sagte sie beruhigend. Aber sie ging trotzdem zu dem Winkel, wo ihre Leinwand stand und schleuderte sie fast die Wand entlang:
„Man kann doch nicht leben und bestehen, um so etwas da zu bearbeiten. Oelfarben auf die Leinwand zu kleistern — du siehst ja, etwas anderes wird nicht daraus — tote Malkleckse. Du großer Gott, du hast gesehen, wie ich die ersten Monate hindurch gearbeitet habe, wie ein Sklave — ich kann überhaupt nicht mehr malen.“
Heggen betrachtete die Bilder. Es war ihm trotzdem, als fühle er wieder festen Grund und Boden unter den Füßen.
„Du darfst ruhig deine aufrichtige Meinung über diese — Schweinerei sagen,“ meinte sie herausfordernd.
„Ja, es sind nicht gerade schöne Sachen — das will ich gern zugeben.“ Er stand, mit den Händen in den Hosentaschen, und betrachtete die Bilder. „Aber das ist doch etwas, was einem jeden von uns begegnen kann — Perioden, wo wir nicht können. Was das betrifft, so müßtest du wissen, meine ich, daß es etwas Vorübergehendes ist — für dich. Ich glaube nicht daran, daß man sein Talent einbüßen kann, und wenn man noch so unglücklich ist. Deine Arbeit hat übrigens zu lange geruht. Man muß sich doch wieder erst einarbeiten, die Herrschaft über seine Schaffensmöglichkeiten zurückgewinnen, siehst du. Allein die Modellstudie dort, Mädel — es ist wohl bald drei Jahre her, seit du einen Akt zeichnetest. So etwas bleibt nicht ungestraft, das weiß ich aus Erfahrung.“
Er trat an das Regal und wühlte unter Jennys alten Skizzenbüchern:
„Denk nur daran, wie du dich in Paris hochgearbeitet hattest — ich werde dir Einiges zeigen.“
„Nein, nein — nicht das da,“ sagte Jenny hastig und streckte die Hand nach dem Buche aus.
Heggen hielt es zusammengeklappt in der Hand und sah sie erstaunt an. Sie wandte das Antlitz ab:
„O, du darfst übrigens ruhig hineinsehen. Ich versuchte nur, eines Tages den Jungen zu zeichnen.“