Gunnar war aufgestanden, zögerte, im Zweifel mit sich, ein Weinen in der Kehle. Dann lief er plötzlich zu ihr hin, hastig und verlegen küßte er sie heftig auf den Scheitel.

Sie blieb eine Zeitlang liegen und weinte. Aber schließlich richtete sie sich auf, ging zum Waschtisch und badete ihr Gesicht im Wasser:

„O Gott, wie sehne ich mich nach ihm,“ sagte sie unvermittelt, mit verweinter Stimme.

„Jenny —.“ Er wußte nichts anderes zu sagen: „Jenny. — Ich wußte ja nicht, daß es dir so ergangen war —“.

Sie kam zurück und legte einen Augenblick ihre Hände auf seine Schultern:

„Ja, ja, Gunnar. Du sollst nicht so viel an das denken, was ich vorher sagte. Mitunter weiß ich nicht, wohin mit mir selbst. Aber du kannst dir denken, wenn auch nur um des Jungen willen: mich geradezu Ausschweifungen hinzugeben, das bringe ich wohl doch nicht fertig. Eigentlich will ich natürlich selber versuchen, das Bestmöglichste aus dem Leben zu machen — weißt du. Versuchen, wieder zu arbeiten, wenn es auch im Anfang nicht so leicht wird. Man hat ja immer den einen Trost, daß man nicht länger lebt, als man selber will —.“

Sie setzte sich wieder den Hut auf und suchte nach einem Schleier:

„Gehen wir also zum Essen, du mußt ja hungrig geworden sein, so spät wie es ist —.“

Gunnar Heggen wurde blutrot über sein ganzes junges Gesicht. Bei ihren Worten merkte er plötzlich, daß er einen Bärenhunger hatte, aber er schämte sich, jetzt etwas derartiges zu empfinden. Er trocknete die Tränen von seinen nassen, heißen Wangen und nahm seinen Hut vom Tisch.

X.