Wir sind jetzt also nach Stockholm zurückgekehrt und wohnen wieder in der alten Wohnung. Es war unmöglich, in unserem Dörfchen zu bleiben, als es wirklich kalt wurde, denn dort zog es schrecklich und wir konnten es nur in der Küche ordentlich warm bekommen. Wenn wir es uns doch leisten könnten, das kleine Häuschen zu kaufen, aber es wird zu teuer, denn wir müßten zuviel daran ausbessern, die Scheune als Atelier für Lennart umbauen und überall Oefen setzen lassen. Aber wir haben es für den nächsten Sommer wieder gemietet, und darüber freue ich mich, denn es ist mir der liebste Platz auf der Welt. Du kannst Dir etwas so Schönes wie die Westküste nicht vorstellen. Sie ist so eigentümlich, öde und verwittert mit den grauen Hügeln und dem vom Sturm zerzausten Gestrüpp in den Felsspalten, mit den Geißblattranken und den armseligen kleinen Häusern, dem Meer und dem wunderbaren Himmel. Die Bilder, die ich davon gemalt habe, seien gut, sagt man, und Lennart und ich leben dort so herrlich miteinander. Jetzt sind wir für immer Freunde, und wenn er findet, daß ich merkwürdig bin, so küßt er mich nur und sagt, ich sei eine kleine Seejungfrau, und irgend sowas Nettes, und mit der Zeit schlage ich auch völlig Wurzel bei ihm.
Aber jetzt sind wir wieder in der Stadt. Aus der Pariser Reise wird diesmal nichts, und das ist auch gleich. Ich finde es beinahe herzlos, Dir darüber etwas zu schreiben, Jenny, denn Du bist viel, viel besser als ich, und es war so bitter und fürchterlich, daß Du Deinen kleinen Jungen hergeben mußtest und ich finde, ich habe es nicht verdient, das Glück, meinen heißen Wunsch erfüllt zu sehen, aber ich erwarte also ein kleines Baby. Es dauert nur noch fünf Monate. Ich wollte es zuerst selbst nicht glauben, aber jetzt ist es ganz sicher. Ich versuchte, es so lange wie möglich Lennart zu verheimlichen, ich schämte mich furchtbar der beiden Male wegen, die ich ihn damit an der Nase herumgeführt, und hatte Angst, daß ich mich täuschen könnte, so daß ich es erst ableugnete, als er es zu ahnen begann. Aber schließlich mußte ich mich ja zu einem Bekenntnis bequemen, ich begreife es aber eigentlich noch nicht, daß ich wirklich einen kleinen Buben bekomme. Lennart sagt übrigens, er will am liebsten noch eine kleine Cesca haben, aber das tut er bloß, um mich im voraus zu trösten, wenn es so würde, denn ich bin überzeugt, eigentlich will er am liebsten einen Sohn haben. Aber Du weißt, wird es ein Mädchen, so freuen wir uns ebenso sehr darüber, und außerdem, haben wir erst eins, so können wir ja immer mehr bekommen.
Jetzt bin ich so froh, daß es mir eigentlich gleichgültig ist, wo wir sind; jedenfalls sehne ich mich nicht nach Paris; denke Dir, Frau Lundquist fragte, ob ich nicht ärgerlich sei, daß dieser Junge uns nun die ganze Pariser Fahrt über den Haufen würfe; kannst Du so ein Menschenkind begreifen, und dabei hat sie die zwei entzückendsten Knaben von der Welt. Aber sie verwahrlosen vollständig, wenn sie nicht bei uns sind, und Lennart sagt, sie würde sie uns gern schenken, und könnte ich es mir leisten, so nähme ich sie auch. Dann hätte der Kleine gleich zwei große liebe Brüder zum Spielen, wenn er kommt; es wird einen Spaß geben, wenn wir ihnen den kleinen Vetter zeigen — sie sagen Tante zu mir, eine drollige Sitte, finde ich.
Aber nun muß ich schließen. Weißt Du, worüber ich auch froh bin — unter diesen Umständen kann Lennart doch unmöglich eifersüchtig werden, nicht wahr? Uebrigens glaube ich, das hat aufgehört, denn jetzt weiß er sehr gut, daß ich eigentlich nur ihn wirklich lieb gehabt habe.
Findest Du das häßlich von mir, daß ich Dir soviel von all diesem schreibe, und daß ich so glücklich bin? Aber ich weiß ja doch, daß Du es mir so herzlich gönnst.
Grüß alle Bekannten, die Du dort unten triffst, und Gunnar zu allererst viele Male. Du darfst ihm dies hier ruhig erzählen, wenn Du magst. Und nun leb wohl. Zum Sommer besuchst Du uns!
Tausend liebe Grüße von Deiner treuen kleinen Freundin
Cesca.
PS. Jetzt fällt mir plötzlich ein: Wird es ein Mädchen, so soll es meiner Treu Jenny heißen, was auch Lennart sagen mag. Ich sollte übrigens von ihm grüßen.“
Gunnar reichte Jenny den Brief zurück, die ihn wieder wegsteckte.