Jenny schüttelte den Kopf:
„Ich danke dir, Gunnar, aber das heißt, finde ich, die Freundschaft unerlaubt weit treiben.“ Sie wurde mit einem Male ernst: „Erstens mußt du dir doch sagen, daß ich das nicht annehme. Zweitens: würdest du mich dazu bringen, dich als Rettungsplanke anzusehen, so wäre ich nicht wert, daß du dich bemühtest, mir nur den kleinen Finger zu reichen.“
„Es ist nicht Freundschaft, Jenny.“ Er zögerte einen Augenblick. „Sondern ich habe — dich lieb gewonnen. Ich sage es nicht, um dir zu helfen — natürlich will ich dir auch gern helfen. Aber mir ist plötzlich klar geworden — wenn es mit dir ein böses Ende nähme — ich weiß nicht, was ich dann täte. Ich bin nicht fähig, daran zu denken. Nichts auf der Welt würde ich scheuen, um dir zu helfen — weil ich dir so gut bin, verstehst du?“
„O nicht doch, Gunnar.“ Sie stand still und blickte erschrocken zu ihm auf.
„Ja, natürlich weiß ich, daß du mich nicht liebst. Aber deshalb könntest du dich doch gut mit mir verheiraten, dies ebenso gut wie irgend etwas anderes tun, wenn du doch des Ganzen müde bist und meinst, du hättest dich selber aufgegeben.“ Seine Stimme klang heiß und bewegt, als er ausrief: „Du mußt mich ja eines Tages liebgewinnen, ich weiß es so sicher — weil ich dich so lieb habe!“
„Du weißt, daß ich dich gern mag,“ sagte sie ernst. „Aber das ist kein Gefühl, mit dem du dich auf die Dauer begnügen könntest. Zu einem ganzen und starken Gefühl bin ich aber nicht fähig.“
„Natürlich bist du das. Alle Menschen sind es. Ich war doch so überzeugt, daß ich nie etwas anderes als diese — Geschichtchen erleben würde. Ich glaubte eigentlich nicht daran, daß es etwas anderes gäbe —.“ Er senkte die Stimme. „Du bist ja die erste, die ich liebe.“
Sie stand stumm und still.
„Dies Wort, Jenny, habe ich noch niemals ausgesprochen. Ich hatte eine Art von Scheu, Ehrfurcht davor. Ich habe bisher nie eine Frau geliebt. Etwas anderes war dieses dauernde Verliebtsein — in dies oder jenes an ihnen. Cescas Grübchen, wenn sie lachte — das unbewußt Raffinierte an ihr. Dies oder jenes, das meine Phantasie in Bewegung setzte, das mich anregte, Märchen über sie zu dichten, Abenteuer, die ich erleben würde. Einmal war ich in eine Frau verliebt, weil sie das erste Mal, als ich sie sah, ein so wundervolles tiefrotes seidenes Kleid trug, ganz schwarz in den Falten wie die dunkelsten Rosen, ich stellte sie mir immer in diesem Kleide vor. Und du damals in Viterbo. Du warst so fein und still, so zurückhaltend, gleichsam als trügst du Handschuhe bis hinauf zu den Ellenbogen, sowohl innen wie außen, und du hattest einen Schimmer in den Augen, wenn wir anderen lachten, als wolltest du gern mit uns spielen, du konntest aber nicht und wagtest nicht. Da war ich verliebt in den Gedanken, dich ausgelassen und lachend zu sehen. — Aber nie zuvor habe ich ein zweites, lebendes Wesen geliebt.“
Er wandte einen Augenblick die Augen von ihr und starrte zur Säule des Springbrunnens hinauf, die im Mondlicht funkelte. So spürte er das neue Gefühl in sich aufsteigen und funkeln, sein Sinn war voller neuer Worte, die in Ekstase über seine Lippen sprangen: