Als sie nachts oben im Gang vor ihren Zimmern standen, ergriff er ihre Hände:
„Jenny, soll ich nicht heute Nacht lieber bei dir bleiben, anstatt dich allein zu lassen? Glaubst du nicht, dir würde wohl sein, wenn du in den Armen eines Menschen einschliefest, dem du alles bist — und wenn du morgen so erwachtest?“
Sie blickte auf und lächelte bedeutsam in den goldenen Schein der Wachskerze:
„Vielleicht heut Nacht. Aber ich glaube nicht morgen.“
„Ach Jenny.“ Er schüttelte heftig den Kopf. „Es ist vielleicht gut, daß ich heute Nacht zu dir komme. Ich finde, ich habe das Recht — ich täte damit nichts Schlechtes. Ich weiß, es wäre das Beste für dich, wenn — du mein würdest. Wirst du böse — wirst du traurig, wenn ich komme?“
„Ich glaube, ich würde traurig werden — hinterher. Deinetwegen. — Ach nein, tu es nicht, Gunnar. Ich will nicht dein werden, wenn ich weiß, daß es für mich ebenso gut ein anderer sein könnte —“
Er lachte kurz, mutwillig und schmerzlich zugleich:
„Wärest du erst mein, dann würdest du dich keinem anderen geben, so gut kenne ich dich, Jenny. Aber wenn du bittest — ich kann warten. — Aber riegele deine Tür zu,“ sagte er mit demselben Lachen.
XI.
Den ganzen Tag hindurch war das Wetter trübe gewesen, mit kalten, fahlgrauen Wolken hoch oben am Himmel. Jetzt gegen Abend zeigten sich einige dünne, messinggelbe Streifen über dem westlichen Horizont.