Sie hatte es gar nicht begriffen, daß sie hätte grüßen müssen. Sie hockte sich vor den kleinen Burschen mit den Blumen und ergriff seine Hände, zog das Kind näher zu sich heran und plauderte mit ihm, indem sie versuchte, das wahnsinnige Beben niederzuzwingen, das durch ihren Körper raste.

Einmal wandte sie den Kopf und blickte in die Richtung, in der er weitergegangen war. Drüben auf der Treppe, die zum Platz am Colosseum führte und zur Straße hinauf, stand er und sah herüber.

Sie fuhr fort, in hockender Stellung mit der Frau und dem Kinde zu sprechen. Als sie wieder aufsah, war er gegangen — aber sie wartete, noch lange, nachdem sein grauer Hut und Mantel verschwunden war.

Dann rannte sie förmlich nach Hause zu, durch Hintergäßchen und Schlupfwinkel, vorsichtig um jede Ecke biegend, voller Angst, daß er ihr hier begegnen könnte.

Weit drüben jenseits des Pincio hielt sie inne. Sie aß dort in einer Trattoria zu Abend, in der sie vorher nie gewesen war.

Als sie ein wenig verweilt und einige Schluck Wein getrunken hatte, wurde sie ruhiger.

Wenn sie nun Helge begegnete und er sie anredete, so war es natürlich peinlich. Selbstverständlich würde sie es am liebsten vermeiden. Aber wenn es sich nun so traf, brauchte sie deshalb eine so sinnlose Furcht zu hegen? Sie waren ja beide fertig miteinander; für das, was geschehen war, nachdem sie auseinander gegangen waren, hatte er sie nicht zur Rechenschaft zu ziehen. Wenn er es tat, so kam ihm kein Recht dafür zu. Was er auch wußte, was er auch sagen mochte, sie wußte ja selbst, was sie getan. Sich selber hatte sie Rechenschaft ablegen müssen — was war alles andere dagegen!

Brauchte sie sich vor irgendeinem Menschen zu fürchten? Niemand konnte ihr schlimmeres Leid zufügen, als sie selbst sich angetan.

Aber es war wieder ein böser Tag gewesen, daran lag es. Einer von den Tagen, an denen sie nicht nüchtern war. Jetzt war es besser geworden.

Sie war jedoch kaum wieder auf der Straße, als die tolle, verzweifelte Angst sie wieder überfiel. Diese Angst peitschte sie, so daß sie vorwärtsstürmte, ohne es zu wissen. Sie faltete ihre Hände und sprach halblaut mit sich selbst.