Als sie erschrocken an ihm vorbeizuschlüpfen suchte, riß er sie mit Gewalt an sich.

Es dauerte einige Augenblicke, ehe es ihr recht bewußt wurde, daß er ihren Mund küßte. Sie glaubte, Widerstand zu leisten, aber sie lag wehrlos in seinen Armen.

Sie wollte sagen, daß er nicht dürfe. Sie wollte ihm sagen, wer der andere gewesen. Aber sie konnte nicht, denn sie hätte dann gesagt, daß sie ein Kind gehabt hatte. Und in dem Augenblick, als sie an den Knaben dachte, fühlte sie, daß sie ihn nicht zu nennen vermochte — inmitten dieses Kampfes. Ihr Kind mußte sie von dem Untergang fernhalten, der, wie sie wußte, jetzt kam —. Und dieser Gedanke erschien ihr wie eine zarte Liebkosung des toten Kleinen, die sie wärmte und ihr wohltat, sodaß ihr Körper einen Augenblick in seinen Armen weich und nachgiebig wurde.

„Du bist mein — mein bist du, Jenny — ja, ja, ja,“ flüsterte Helge über ihr.

Sie sah einen Augenblick in sein Gesicht. Dann riß sie sich von ihm los und rannte zur Tür. Gleichzeitig rief sie laut nach Gunnar.

Er sprang ihr nach und riß sie zurück:

„Er bekommt dich nicht — du bist mein, du —.“

Dann kämpften sie wortlos an der Tür. Jenny war es, als käme alles nur darauf an, ob sie öffnen und in Gunnars Zimmer gelangen könnte. Wie sie aber dann Helges Körper an dem ihren spürte, heißer, stärker als ihr eigener, wie er sie festhielt mit Armen und Knien, da war es ihr, als sollte es so sein, als sollte sie sich ergeben. Und sie warf sich ihm freiwillig in die Arme.

Im Dämmerlicht, während er sich ankleidete, trat er alle Augenblicke an ihr Bett und küßte sie:

„Herrliche du! Wie schön du bist Jenny! Jetzt bist du mein. Alles wird wieder gut, nicht wahr? O, wie ich dich liebe! — Du bist müde? Du sollst schlafen ich gehe jetzt. Morgen Vormittag komme ich wieder zu dir. Schlaf gut, süße, geliebte Jenny. Bist du so müde?“