„Was nennen Sie sparen — Perlen und Korallen —.“

„Ach, — das ist Luxus —. Ich finde beinahe, das ist das Notwendigste — ein wenig jedenfalls. Nein, wir wohnen billig und essen billig, kaufen Seidenschärpen und trinken ein paar Wochen lang des Abends Tee und genießen trockenes Brot und Rettiche dazu.“

Sie hatte ihre Mahlzeit beendet und entzündete eine neue Zigarette. Das Kinn auf die Hand gestützt, saß sie und sah hinaus:

„Nein, Kandidat Gram. Sehen Sie — hungern — ja, ich habe das niemals erleben müssen, aber es kann ja noch einmal kommen. — Heggen zum Beispiel hat es durchgemacht — und doch gibt er mir Recht. Es ist besser, zu wenig vom Notwendigen zu haben, als niemals etwas von dem, was eigentlich überflüssig ist. Das Ueberflüssige, eben das ist es, wofür man arbeitet, wonach man sich sehnt —.

Daheim bei meiner Mutter — da hatten wir das dringend Notwendige ja immer — freilich. Aber nichts darüber. Das mußte eben so sein — die Kinder sollten ja Essen haben.“

Helge lächelte ein wenig unsicher:

„Ich kann mir Sie gar nicht als einen Menschen denken, der jemals die Bekanntschaft mit — mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten gemacht hat!“

„Wieso?“

„Nein, Sie sind so unverzagt, so frei und sicher. Wenn man in engen Verhältnissen aufgewachsen ist, wo man nichts anderes hört als Sparen, da wagt man es bald nicht mehr, sich Anschauungen zuzulegen — in weiterem Sinne. Es ist peinlich, zu wissen, daß der Mammon alles regiert und daß man Mittel besitzen muß, will man sich Pläne und eine eigene Meinung gestatten.“

Jenny nickte nachdenklich.