In seinem Heim ist man ja niemals allein, nicht wahr, Gram? Das eben ist das Beste am Reisen, finde ich — allein mit sich sein, nicht immer jemand um sich haben, der einem helfen oder über einen bestimmen will. — Das Gute, das man seinem Zuhause verdankt, kann man doch nicht sehen und schätzen, ehe man nicht fort gewesen ist. Man weiß, daß man nie wieder davon abhängig wird, wenn man erst einmal selbständig geworden ist. Man kann nicht eher Freude daran haben — ja man kann überhaupt keine Freude an etwas haben, von dem man abhängt?“

„Ich weiß nicht. Man ist doch immer abhängig von dem, das man lieb hat? Sie sind doch abhängig von Ihrer Arbeit? — Und wenn man einen anderen Menschen liebt,“ sagte er leise, „ist man dann nicht völlig abhängig?“

„Ja, ja.“ Sie überlegte. „Aber da hat man selbst gewählt,“ sagte sie schnell. „Ich meine, man ist dann kein Sklave, man dient dann freiwillig irgend jemandem oder irgendeiner Sache, die man höher bewertet als sich selbst. — Freuen Sie sich nicht, daß Sie ihr neues Jahr allein beginnen werden, frei und frank — nur arbeiten, was Sie selbst gern wollen?“

Helge dachte an den vergangenen Abend auf dem Petersplatz. Er sah hinaus über die fremde Stadt, sah die gedämpften, grauverschleierten Farben in der Sonne, und das fremde, blonde Mädchen.

„Ja,“ sagte er.

„Ja.“ Sie erhob sich, knöpfte ihre Jacke zu und öffnete den Malkasten. „Nun muß ich aber fleißig sein.“

„Sie wollen mich wohl nun los sein?“

Jenny lächelte: „Sie sind doch jetzt sicherlich müde?“

„Oh nein. Ich möchte aber zahlen —.“

Sie rief die Frau und stellte ihm seine Rechnung auf, während sie gleichzeitig Farben auf der Palette ausdrückte.