„Jenny — schläfst du?“ Franziska öffnete die Tür, ohne anzuklopfen. Sie kam an das Bett heran, tastete im Dunkeln nach der Freundin Gesicht und streichelte sie: „Müde?“
„Gar nicht. Jetzt werde ich aufstehen.“
„Wann kamst du nach Haus?“
„Gegen drei. Ich war draußen in Prati und badete vor dem Mittag, und dann aß ich dort bei der Ripetta, weißt Du? Als ich heimkam, legte ich mich hin. Ich bin jetzt völlig ausgeschlafen — nun will ich aufstehen!“
„Wart noch ein wenig, hier ist es so kalt; ich werde etwas bei Dir einheizen.“ Franziska zündete die Lampe auf dem Tische an.
„Du brauchst doch nur nach der Signora zu rufen — nein, aber Cesca, komm her, darf ich sehen?“ Jenny setzte sich im Bett aufrecht.
Franziska stellte die Lampe auf das Nachttischchen und drehte sich im Licht langsam um sich selbst.
Sie hatte eine weiße Spitzenbluse zu ihrem grünen Rock angezogen und eine bronzefarbene Seidenschärpe mit pfauenblauen Streifen um die Schultern geschlungen. Rund um den Hals lagen die großen tiefroten Korallen in doppelter Reihe und lange, geschliffene Ohrgehänge tropften auf ihre gelblichweiße Haut herab. Lächelnd schob Franziska das Haar zur Seite, um zu zeigen, daß sie mit einem Faden Stoffgarn an den Ohren festgebunden waren.
„Denk’ dir, ich bekam sie für sechsundachtzig Lire — ist das nicht großartig — nun, wie stehen sie mir?“
„Hervorragend. Das Kostüm ist fabelhaft. — Du, ich hätte Lust, dich darin zu malen.“