Jenny rührte sich nicht.
„Nun — du wußtest ja, daß sie verlobt waren — schon seit einem Jahre.“
„Ja.“
Jenny deckte still den Tisch für vier Personen. Franziska breitete die Decke über das Bett und holte die Rosen herbei. Sie stand und nestelte an ihrem Blusenausschnitt, zog einen Briefumschlag hervor und drehte ihn zwischen den Fingern.
„Sie hatte die beiden im Tiergarten getroffen, schreibt sie. Sie schreibt ... Oh, sie kann so brutal sein, die Borghild.“ Franziska sprang zum Ofen, riß die Tür auf — und warf den Brief ins Feuer. Darauf sank sie in einem Lehnstuhl zusammen und brach in ein bitterliches Weinen aus.
Jenny legte ihren Arm um ihren Nacken:
„Cesca, meine liebe kleine Cesca!“
Franziska preßte ihr Gesicht gegen Jennys Arm.
„Uebrigens sah sie so elend aus, das arme Ding. Sie ging und hing in seinem Arm, und er schaute verärgert und böse drein. Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Ach Gott, das arme, arme Wesen — sich in eine solche Lage zu bringen, daß sie auf diese Weise von ihm abhängig wird — er hat sie sicherlich auf den Knien zu sich kriechen lassen. — Daß sie so wahnsinnig sein konnte, wo sie ihn doch kannte. Aber zu denken, Jenny, daß er ein Kind von einer anderen haben soll — ach Gott, ach Gott, ach Gott.“
Jenny hatte sich auf die Stuhllehne gesetzt. Cesca schmiegte sich an sie: