„Hast du mich lieb, Jenny?“
„Das weißt du ja — Cesca, Liebes du!“
„Du bist so gut. Gib mir noch einen Kuß! Gunnar ist auch gut. Ahlin auch. Ich werde auf mich achten — du kannst dir doch denken — ich will ihm kein Leid zufügen. Uebrigens — vielleicht heirate ich ihn. Wenn er mir so gut ist! Ahlin würde nie brutal sein, das weiß ich. Glaubst du, er würde mich quälen? Wohl kaum. Dann könnte ich Kinder bekommen. Du weißt ja, ich erbe einmal. Und er ist so arm. Wir könnten dann im Auslande leben. Ich würde immer arbeiten. Er auch. Du — über allen seinen Arbeiten liegt etwas ungemein Feines. Das Relief mit den spielenden kleinen Knaben! Und der Entwurf zum Almquistmonument! Es ist ja nicht so original in der Komposition, aber Herrgott, wie schön, wie vornehm und ruhig und wie echt — diese plastischen Figuren.“
Jenny lächelte fein und strich Franziska über das Haar — es war an den Seiten feucht geworden von ihren Tränen.
„Wenn ich nur auch immer arbeiten könnte. Ach, aber Jenny. Diese ewigen Stiche im Herzen. Und im Kopf. Die Augen schmerzen auch, Jenny — ich bin ja so totmüde.“
„Du weißt ja, was der Arzt sagt — alles nur Nervosität. Wenn du nur vernünftig sein wolltest.“
„Ja — das sagen sie. Aber ich habe solche Furcht. Du sagst — ich hätte keinen Instinkt — nicht so, wie du meinst. Aber auf andere Weise. Ich bin häßlich gewesen in dieser Woche. Das weiß ich sehr wohl. Aber ich ging umher und lauerte — ich fühlte, daß etwas Fürchterliches kommen würde. Und nun siehst du ja!“
Jenny küßte sie wieder.
„Ich war unten in der St. Agostino-Kirche heut Abend. Du kennst das wunderwirkende Madonnenbild. Ich kniete nieder und versuchte zur Jungfrau Maria zu beten. Ich glaube, mir würde wohl sein, wenn ich katholisch würde. Eine Frau wie die Jungfrau Maria zum Beispiel würde das alles viel besser verstehen können. Ich dürfte mich im Grunde nicht verheiraten, so, wie ich veranlagt bin. Ich könnte ins Kloster gehen — nach Siena zum Beispiel. Ich könnte dann in der Galerie kopieren; das Kloster würde auf diese Weise Geld verdienen. Als ich den Engel zum Melozzo da Forli in Florenz malte, stand dort jeden Tag eine Nonne und kopierte. Es wäre nicht das Schlimmste.“ Sie lachte. „Ja, das heißt, es wäre geradezu schauderhaft. Aber sie sagten ja alle, meine Kopien seien so gut gewesen. Und das stimmt. Ich glaube, ich würde dabei glücklich werden können. ... Ach, Jenny — wenn ich mich gesund fühlte! Wenn ich da drinnen Frieden bekäme — nicht so wirr und eingeschüchtert wäre innerlich! Dann würde ich frisch, und könnte arbeiten, ohne Aufhören. Ich würde so lieb und gut werden. Gott, wie lieb ich dann sein würde ... Ich bin nicht immer gut, das weiß ich wohl. Ich lasse mich von meinen Stimmungen hinreißen, wenn ich in einem Zustande bin wie eben jetzt. Aber das soll ein Ende haben — wenn Ihr alle mich nur liebhaben wollt. Besonders du. — Wir wollen diesen Gram zu uns einladen — wenn ich ihn wiedertreffe, dann werde ich zu ihm gehen und so lieb und gut zu ihm sein, wie du dirs gar nicht vorstellen kannst. Wir wollen ihn zu uns einladen und ihn mitnehmen, wenn wir ausgehen; ich will gern Kopf stehen, um ihm eine Freude zu machen. Hörst du, Jenny — bist du nun zufrieden mit mir?“
„Ja, Cesca.“