„Doch. Ich war aber krank. Oh, Sie können mir glauben, ich bekam Schelte von Jenny. Ich hatte es aber auch verdient.“
„Ich war es ja, der sich Ihnen aufdrängte. Aber es kam so von selbst — ich sah Sie, und ich hörte Sie Norwegisch sprechen; der Versuch, Sie anzureden, lockte zu sehr.“
„Ja, natürlich. Es hätte so nett sein können — so ein kleines Abenteuer. Wäre ich nur nicht so unartig gewesen. Aber ich war krank, wissen Sie. Ich bin tagsüber so nervös, dann kann ich nicht schlafen — und dann kann ich wieder nicht arbeiten. Schließlich werde ich unleidlich.“
„Geht es Ihnen augenblicklich nicht gut, Fräulein Jahrmann?“
„Ach nein. Jenny und Gunnar arbeiten — alle außer mir arbeiten. Wie geht es mit Ihrer Arbeit — gut? — Haben Sie nicht Freude daran? Ich sitze übrigens jetzt nachmittags für Jenny. Heute habe ich frei. Ich glaube, sie tut es nur, damit ich nicht so allein sein und grübeln soll. Mitunter fährt sie mit mir hinaus, jenseits der Mauern. Sie ist ganz wie eine Mutter zu mir. Mia cara mammina.“
„Sie lieben Ihre Freundin sehr?“
„Sie ist so gut, so gut. Ich bin krankhaft und zerrissen. Keiner außer Jenny hält es auf die Dauer mit mir aus. Sie ist aber so klug und so begabt und energisch. Und schön — finden Sie sie nicht entzückend? Sie sollten ihr Haar sehen, wenn es offen niederfällt! Wenn ich ein artiges Kind bin, darf ich es kämmen und aufstecken —. Wir sind schon da,“ sagte sie dann.
Sie klommen eine unheimlich düstere Steintreppe hinauf: „Daraus darf man sich aber nichts machen. Unser Aufgang ist noch schlimmer; Sie werden es ja sehen, wenn Sie kommen und uns besuchen. Kommen Sie doch einen Abend; wir sehen dann, daß wir die anderen erwischen und gehen auf einen gediegenen Romabummel. Den letzten habe ich ja doch völlig verdorben.“
Sie läutete im obersten Stockwerk. Eine nett und gemütlich aussehende Frau öffnete ihnen. Sie führte sie in ein kleines Zimmer mit zwei Betten. Das Fenster ging auf einen grauen Hinterhof hinaus, vor den Fensterläden hing Wäsche, aber überall auf den Balkons standen Blumen, und hoch oben auf den grauen Dächern lagen Loggien und Lauben zwischen grünen Büschen.
Franziska redete endlich mit der Wirtin, während sie gleichzeitig in den Ofen guckte, die Betten befühlte und ihm zwischendurch Aufklärungen gab: