„Ach Jenny, wir wollen gehen. Ist das vielleicht Weihnachtsstimmung? Das ist ja nur ein gewöhnliches Konzert. Hör doch den Burschen, der jetzt singt; ganz ohne Ausdruck, die Stimme ist obendrein überschrieen. Pfui!“

„Still, Cesca, denk daran, daß wir in einer Kirche sind.“

„Kirche — pah. Dies hier ist ja ein Konzert — wir mußten sogar Eintrittskarten und Programme haben. Greuliches Konzert — es nimmt mir die ganze Laune.“

„Ja, ja, wir gehen, wenn diese Nummer zu Ende ist. Schweig jetzt aber, solange wir noch hier sind.“

„Nein,“ plauderte Cesca, „Sylvester im vorigen Jahre. Ich war in Gesu — da war Stimmung. Te Deum. Ich kniete neben einem alten Bauern aus der Campagna und einem jungen Mädchen, das krank war — und so schön. Alle Menschen sangen, der alte Bauer konnte das ganze Te Deum auf Lateinisch. Das war stimmungsvoll!“

Während sie sich leise einen Weg durch die überfüllte Kirche bahnten, erklang das Ave Maria durch den Raum.

„Ave Maria,“ Franziska blies verächtlich durch die Nase. „Hört ihr nicht, sie denkt überhaupt nicht an das, was sie singt — wie ein Phonograph. Ich ertrage es nicht, wenn solche Musik derartig mißhandelt wird.“

„Ave Maria,“ sagte ein Däne, der neben ihr ging. „Ich erinnere mich da einer jungen norwegischen Dame — wie sang sie es doch herrlich. Ein Fräulein Eck.“

„Berit Eck — kennen Sie die, Hjerrild?“

„Sie war vor zwei Jahren in Kopenhagen und sang mit Ellen Bech dort. Ich kannte sie ziemlich genau. Sie kennen sie auch, Fräulein Jahrmann?“