„Gewiß. Der freie Zustand ist ja weit schöner. Aber Herrgott, sie mußte ja. Sie will nächsten Herbst ein Konzert in Kristiania geben und muß sehen, daß sie Gesangschüler bekommt. Das würde ihr aber als unverheirateter Frau mit einem Kinde unmöglich sein. Armes Ding!“

„Mag sein. — Aber ekelhaft ist es darum doch. Wenn Sie unter freien Zuständen das verstehen, daß sich Leute miteinander einlassen, obgleich sie genau wissen, sie werden einander überdrüssig, so habe ich dafür kein Verständnis. Schon die Auflösung einer so ganz alltäglichen, platonisch bürgerlichen Verlobung .... ich finde, schon daran haftet immer ein Makel. Ist man aber einmal so unglücklich gewesen, sich zu irren — dann um der Leute willen noch diese abscheuliche Komödie spielen — eine blasphemische Trauung, wo man steht und Dinge gelobt, die man im voraus entschlossen ist, nicht zu halten! ...“

Die Gäste gingen erst beim Morgengrauen. Heggen blieb noch einen Augenblick zurück, nachdem die anderen fort waren.

Jenny öffnete die Balkontür um den Tabakrauch herauszulassen. Sie blieb stehen und sah hinaus. Der Himmel war schon fahlgrau mit einem schwachen rötlichgelben Schein über den Häuserdächern. Es war schneidend kalt. — Heggen trat an ihre Seite:

„Ich danke dir. So wäre also wieder einmal ein Weihnachtsabend dahin. Worüber sinnst du nach?“

„Daß jetzt der Weihnachtsmorgen anbricht. ... Ich möchte wissen, ob sie zu Hause meine Kiste rechtzeitig bekamen,“ sagte sie nach einer Weile.

„Sandtest du sie nicht am elften — dann ist sie wohl zur Zeit angekommen.“

„Hoffentlich. — Es war immer eine große Freude für uns, am Weihnachtsmorgen hineinzukommen und den Baum und die Geschenke bei Tageslicht zu besehen. Als ich noch klein war.“ Sie lachte leise. „Es ist viel Schnee gefallen dieses Jahr, schreiben sie. Dann sind sie wohl oben auf den Bergen heute, die Kinder.“

„Ja,“ sagte Heggen. Er schaute wie sie ein Weilchen in die Weite. „Aber, du erkältest dich, Jenny. Gute Nacht also — und für den heutigen Abend vielen Dank.“

„Gute Nacht. Fröhliche Weihnachten, Gunnar!“