Sie reichten einander die Hände. Nachdem er gegangen, blieb sie noch ein wenig stehen, ehe sie die Balkontür schloß und ins Zimmer trat.

VII.

Eines Tages — es war in der Weihnachtswoche — kam Gram in eine Trattoria, wo auch Jenny und Heggen saßen. Sie sahen ihn jedoch nicht, und während er seinen Mantel an den Nagel hängte, hörte er Heggen sagen:

„Er ist weiß Gott ein gefährlicher Bursche.“

„Ja, abscheulich,“ seufzte Jenny.

„Und dann verträgt sie das nicht, Teufel auch! In diesem scirocco — morgen ist sie natürlich wieder ganz entkräftet. Ans Arbeiten denkt sie wohl auch nicht und treibt sich nur mit diesem Kerl herum.“

„Nein, arbeiten? Aber ich kann doch nichts dazu tun. Sie marschiert gern von hier nach Viterbo mit ihm, in ihren kleinen, dünnen Lackschuhen trotz scirocco und allem, nur weil der Mensch ihr von Hans Herrmann erzählen kann.“

Gram grüßte im Vorübergehen. Jenny und Heggen machten eine Bewegung, als erwarteten sie, daß er sich zu ihnen setzen sollte. Er tat jedoch, als sähe er nichts und ließ sich weiter oben im Lokal an einem Tisch nieder, den Rücken ihnen zugekehrt.

Er verstand, daß sie von Franziska sprachen.

Beinahe täglich ging er hinauf zur Via Vantaggio. Er konnte es nicht unterlassen. Jetzt saß Jenny fast immer allein zu Hause und nähte oder las. Es schien, als freute sie sich, wenn er kam. Im übrigen fand er, daß sie sich in letzter Zeit ein wenig verändert hatte. Sie war nicht mehr so keck und sicher in ihren Aeußerungen, nicht mehr so aufgelegt zum Diskutieren und Dozieren. Sie schien traurig. Eines Tages fragte er, ob sie sich nicht wohl fühle.