„Wohl — oh doch. Wieso?“

„Ich weiß nicht recht — ich finde, Sie sind so still geworden, Fräulein Winge.“

Sie hatte eben die Lampe angezündet, so daß er sehen konnte, daß sie errötete.

„Ich werde vielleicht bald nach Hause reisen müssen. Meine Schwester hat Lungenspitzenkatarrh bekommen, und Mama ist so unglücklich.“ Sie schwieg einen Augenblick. „Und da bin ich freilich etwas betrübt. Wo ich doch so gern hier bleiben wollte — jedenfalls den Frühling hindurch.“

Sie nahm ihr Nähzeug zur Hand und begann zu arbeiten.

Helge grübelte darüber nach, ob Gunnar Heggen der Anlaß sei — er war sich niemals darüber klar geworden, ob zwischen den beiden etwas spielte. Zurzeit war Heggen, der, wie Helge gehört hatte, ein ziemlich leicht entzündbares Herz haben sollte, für eine junge dänische Krankenschwester entflammt, die sich als Pflegerin einer alten Dame in Rom aufhielt. — Jennys Erröten fand er so merkwürdig, es war ihm so neu an ihr.

An diesem Abend kam Franziska heim, ehe er ging. Er hatte sie seit Weihnachten wenig zu Gesicht bekommen und er wußte nun, daß er ihr vollkommen gleichgültig war. Von Launen oder kindischer Ungezogenheit konnte keine Rede mehr sein. Es war, als sähe sie andere Menschen nicht mehr — irgend etwas erfüllte sie vollständig. Mitunter ging sie umher wie eine Nachtwandlerin.

Er fuhr dennoch fort, Jenny aufzusuchen, entweder in der Trattoria, wo sie zu speisen pflegte, oder daheim auf ihrem Zimmer. Er wußte selber kaum, warum er es tat. Es war ihm aber, als verlange ihn danach, sie zu sehen.

An einem Nachmittag ging Jenny in Franziskas Zimmer, um nach einer Terpentinflasche zu suchen. Da lag Franziska auf ihrem Bett und erstickte ihr Schluchzen in den Kissen. Sie mußte sich heraufgeschlichen haben, Jenny hatte sie nicht kommen hören.

„Aber liebes Kind — was ist geschehen? Bist du krank?“