„Nein, geh nur, Jenny — liebe Jenny, geh. Nein, ich kann es dir nicht sagen; du sagst ja doch nur, es sei meine eigene Schuld.“

Jenny sah ein, daß es ihr nichts nützte, mit ihr zu reden. — Doch am Abend, als sie im Bett lag und las, schlüpfte Franziska plötzlich herein — im Nachthemd. Ihr Gesicht war rotfleckig und geschwollen vom Weinen.

„Darf ich heute Nacht bei dir schlafen, Jenny, ich kann nicht allein sein.“

Jenny machte Platz. Sie schwärmte nicht für diese Sitte, aber Franziska pflegte zu kommen und zu bitten, bei ihr schlafen zu dürfen, wenn sie ganz unglücklich war.

„Nein, lies nur Jenny — ich werde dich nicht stören, ich liege ganz still an der Wand.“

Jenny tat, als lese sie eine Weile. Franziska schluchzte ab und zu trocken auf. Dann fragte Jenny:

„Kann ich das Licht löschen, oder willst du lieber, daß es brennt?“

„Lösch es nur!“

Im Dunkeln schlang sie die Arme um Jenny und erzählte schluchzend.

Sie war mit Hjerrild wieder in der Campagna gewesen. Da hatte er sie dann geküßt. Erst hatte sie nur ein wenig gescholten, da sie geglaubt, es wäre ein Scherz. „Aber dann wurde er verletzend in seiner Zudringlichkeit. Und schließlich wollte er, daß ich heute Nacht mit in sein Hotel gehen sollte. Er sagte es so, als lade er mich in eine Konditorei ein. Da wurde ich rasend, und auch er wurde zornig. Darauf sagte er mir dann einige gemeine, ekelhafte Dinge ins Gesicht.“ Sie lag einen Augenblick still da, im Fieber erschauernd. „Er sagte dann — ja, du kannst dirs wohl denken — etwas von Hans. Hans hatte von mir erzählt, als er Hjerrild mein Bild zeigte, so daß Hjerrild glauben mußte ... Verstehst du es, Jenny,“ sie schmiegte sich dicht an die andere, „ja, ich tue es nicht mehr — ich will mich nicht länger an diesen Schuft hängen — Hans hatte natürlich nicht meinen Namen genannt, weißt du,“ sagte sie nach einer Weile. „Und er konnte selbstverständlich nicht ahnen, daß Hjerrild mir jemals begegnen und mich nach der Photographie wiedererkennen würde, die gemacht wurde, als ich achtzehn Jahre alt war.“