Am siebzehnten Januar hatte Jenny Geburtstag. Sie und Franziska wollten eine Gesellschaft geben, ein Mittagessen draußen in der Campagna, in einer kleinen Osteria an der Via Appianuova. Sie hatten Ahlin, Heggen, Gram und Fräulein Palm, die dänische Krankenschwester, eingeladen.

Sie gingen paarweise von der Straßenbahnhaltestelle die weiße Landstraße hinauf, die im Sonnenschein gebadet dalag. Der Frühling wob in der Luft und die fahle, braune Campagna war von einem graugrünen Schimmer übergossen, all die Tausendschön, die den ganzen Winter über ihr Blühen nicht eingestellt hatten, begannen sich in silberschimmernden Teppichen auszubreiten. Auch die Büschel ungeduldiger lichtgrüner Knospen auf den Hollundersträuchern längs der Gitter waren größer geworden.

Lerchen schwebten zitternd hoch oben in dem blauweißen Himmel. Die Wärme hüllte alles ein — drinnen über der Stadt und über den häßlichen rotgelben Häuserblocks, die über die Ebene verstreut waren, lag der Dunst. Die Felsen der Albaner Berge mit den weißen Städtchen schimmerten hinter den gewaltigen Bogenreihen der Aquaedukte durch den Nebel.

Jenny und Gram schritten voran, er trug ihren hellgrauen Staubmantel. Sie war strahlend schön, in schwarze Seide gekleidet — er hatte sie vorher nie anders gesehen als in dem grauen Kleid oder in Kostüm und Bluse. Aber heute war es ihm, als ginge er mit einer neuen fremden Frau dahin. Die Linie des schlanken Leibes war weich und rund in dem blanken schwarzen Kleide, das oben in einem schmalen tiefen Viereck bis auf die Brust ausgeschnitten war. Die Haut und das Haar hoben sich leuchtend hell dagegen ab. Sie trug auch einen großen schwarzen Hut, mit dem Helge sie früher schon gesehen hatte, ohne jedoch weiter darauf zu achten. Sogar ihr rosa Perlenhalsband sah anders aus zu diesem Gewand.

Man speiste draußen im Sonnenschein unter den nackten Weinranken, die ein feines, bläuliches Schattennetz auf das Tischtuch zeichneten. Fräulein Palm und Heggen hatten den Tisch mit Tausendschön geschmückt; die Makkaroni waren lange fertig, und die anderen hatten warten müssen, bis die beiden mit der Dekoration kamen. Doch das Essen war gut und der Wein vorzüglich, die Früchte hatte Franziska selbst in der Stadt ausgewählt und mit hinausgenommen, ebenso den Kaffee, den sie selbst zubereiten wollte, darauf bestand sie, um sicher zu gehen, daß er auch gut würde.

Nach dem Essen gingen Heggen und Fräulein Palm umher und studierten die Marmorstümpfe — Ueberreste von Reliefs und Inschriften, die auf dem Grundstück gefunden und in die Hauswand eingemauert waren. Kurz darauf verschwanden sie um die Ecke. Ahlin blieb am Tisch in der Sonne sitzen und rauchte mit halbgeschlossenen Augen.

Die Osteria lag am Abhang eines Hügels. Gram und Jenny klommen aufs Geratewohl die Böschung hinauf. Sie pflückte einige von den kleinen wildwachsenden Ringelblumen, die aus dem rotgelben Sand des Abhangs hervorlugten.

„Von diesen gibt es viele auf dem Monte Testaccio. Sind Sie dort einmal gewesen, Gram?“

„Ja, öfter. Ich war vorgestern drüben, um den protestantischen Kirchhof zu sehen. Die Kamelienbäume sind übersät mit Blüten. Und auf dem alten Teile fand ich Anemonen im Gras.“

„Ja, die kommen jetzt hervor.“ Jenny seufzte ein wenig. „Draußen vor der Ponte Molle, irgendwo an der Via Cassia, gibt es eine Menge Anemonen. Ich bekam von Gunnar heute früh blühende Mandelzweige — man hat sie schon an der Spanischen Treppe. Sie sind aber sicher künstlich zum Blühen gebracht worden.“