„Wie alt ist sie eigentlich? —“ fragte er plötzlich leise. „Ich meine Cesca.“

„Sechsundzwanzig Jahre.“ Sie saß still da und sah in die Weite.

„Ich bin nicht traurig,“ sagte er wieder leise. „Sie verstehen mich, — vor einem Monat wäre es etwas anderes gewesen —. Sie war einmal so lieb, so warm und vertrauensvoll zu mir. — Nun ja, Aufforderung zum Tanz. Aber jetzt —. Ich finde sie sehr lieb. Aber es rührt mich nicht, daß sie mit einem anderen tanzt.“

Er betrachtete sie.

„Ich glaube, Sie sind es, die ich liebe, Jenny,“ sagte er plötzlich.

Sie wandte sich ihm halb zu, lächelte leise und schüttelte den Kopf.

„Doch,“ sagte Helge bestimmt. „Ich glaube es. Genau weiß ich es nicht. Ich habe ja niemals geliebt — das weiß ich jetzt. Trotzdem ich verlobt gewesen bin“ — er lachte leise. „Ja, diese Dummheit beging ich einmal in meiner frühesten Jugend —. Aber, mein Gott, Jenny — es muß wohl wahr sein. Sie waren es, die ich an jenem Abend sah — nicht die andere. Ich sah Sie schon am Nachmittag, Sie gingen über den Corso. Ich stellte Betrachtungen an über das Leben, fand es so neu und abenteuerlich, da gingen Sie an mir vorüber, licht und rank und fremd. Später, nachdem ich in der Dunkelheit rund durch die fremde Stadt geirrt war, traf ich Sie wieder. Oh ja, ich erblickte jetzt auch Cesca, so daß es ja nicht weiter merkwürdig war, daß ich verwirrt wurde. Aber zuerst sah ich doch Sie. — Und nun ist es so gekommen, daß wir beide hier zusammensitzen —“.

Ihre Hand, auf die sie sich stützte, lag auf dem Erdboden dicht neben ihm. Plötzlich strich er darüber. Da zog sie sie zurück.

„Sie sind doch nicht böse? Nein, denn warum auch. — Warum sollte ich Ihnen nicht sagen dürfen, daß ich Sie liebe? Ich konnte nicht anders, ich mußte Ihre Hand berühren, mußte fühlen, daß sie wirklich da war. Wie seltsam, daß Sie hier sitzen. Ich kenne Sie ja gar nicht. Trotz all dem, wovon wir gesprochen haben — ich weiß freilich, daß Sie klug sind, klar und energisch, gut und wahrheitsliebend, aber das wußte ich gleich, als ich Sie sah und Ihre Stimme vernahm. Mehr weiß ich jetzt nicht — aber natürlich ist da noch vieles andere. Darüber erfahre ich vielleicht niemals etwas. Aber ich kann zum Beispiel sehen, daß Ihr seidenes Kleid glühend heiß ist — wenn ich mein Gesicht an Ihre Brust legte, so würde ich mich verbrennen —“.

Sie machte mit der Hand eine unwillkürliche Bewegung über ihren Schoß.