„Ja, die Seide saugt die Sonne an sich. Es knistert in Ihrem Haar. Drinnen in Ihren Augen funkeln die Lichtstrahlen auf. Ihr Mund ist ganz durchsichtig — wie ein Kredenzbecher in der Sonne —.“
Sie lächelte, sah jedoch ein wenig gequält aus.
„Küssen Sie mich, Jenny —,“ bat er plötzlich.
Sie betrachtete ihn eine Sekunde.
„Aufforderung zum Tanz —?“ Sie lächelte weh.
„Sie dürfen nicht böse werden, nur weil ich Sie um einen einzigen Kuß bitte. An so einem Tage. Ich erzähle Ihnen doch nur, was ich wünsche. Im Grunde ... weshalb könnten Sie es nicht tun?“
Sie rührte sich nicht.
„Ist da denn irgend ein Grund — Herrgott, ich will ja nicht versuchen, Sie zu küssen, aber ich verstehe nicht, warum Sie sich nicht eine Sekunde herabbeugen und mir einen ganz, ganz kleinen Kuß geben können, so wie Sie dort sitzen, mit der Sonne auf den Lippen — es ist ja nur, als klopften Sie einem Jungen auf die Schulter und gäben ihm einen Soldo. Jenny — für Sie ist es nichts weiter, und alles, was ich wünsche, gerade in diesem Augenblick wünsche ich es so heiß —.“ Er lächelte, während er sprach.
Plötzlich beugte sie sich nieder ... Nur eine Sekunde spürte er ihr Haar und ihren warmen Mund an seiner Wange. Jede Bewegung ihres Körpers unter der schwarzen Seide konnte er sehen, als sie sich niederbeugte und wieder aufrichtete. Er sah auch, daß ihr Antlitz, das ruhig lächelte, als sie ihn küßte, hinterher ein wenig verwirrt und erschrocken war.
Aber er rührte sich nicht — lag nur und lächelte in die Sonne hinein. Da wurde auch sie wieder ruhig.