„Sehen Sie,“ sagte er schließlich und lachte. „Nun ist ihr Mund genau wie früher. Die Sonne scheint auf die Lippen, bis hinein ins Blut. Was bedeutete es Ihnen? Und ich bin so froh —. Sie begreifen wohl, daß ich nicht erwarte, Sie sollen weiter an mich denken. Ich möchte nur an Sie denken dürfen. — Setzen Sie sich nur still hin und denken Sie an alle möglichen Dinge. Die anderen tanzen Reigen, aber dies hier ist weit köstlicher — wenn ich Sie nur ansehen darf.“

Sie schwiegen beide. Jenny hatte das Gesicht abgewandt und sah über die sonnige Campagna hinaus.

Während sie zur Osteria zurückgingen, plauderte er leicht und munter von allen möglichen Dingen, erzählte Geschichten von den deutschen Gelehrten, mit denen er bei seiner Arbeit zusammengetroffen war. Jenny lugte ab und an verstohlen zu ihm auf. Er war so anders als sonst, so frei und sicher. Er schaute im Gehen geradeaus; eigentlich war er schön; die hellbraunen Augen glänzten wie Bernstein in der Sonne.

VIII.

Jenny zündete die Lampe nicht an, als sie heimgekehrt war. Im Dunkeln griff sie nach ihrem Abendmantel und setzte sich auf den Balkon hinaus.

Der Himmel erhob sich über den Dächern wie schwarzer Sammet, von dem Gewimmel funkelnder Sterne durchwoben. Die Nacht war kalt.

Er hatte gesagt, als sie sich trennten:

„Ich komme morgen zu Ihnen hinauf, um Sie zu fragen, ob sie mit mir in die Campagna fahren wollen —.“

In Wirklichkeit war ja nichts geschehen. Sie hatte ihn geküßt. Es war aber der erste Kuß, den sie einem Manne gegeben hatte. Und es war ganz anders gekommen, als sie es sich gedacht —. Fast wie ein Scherz war es gewesen — dieser Kuß.

Sie liebte ihn keineswegs. Und hatte ihn doch geküßt. Sie hatte gezaudert und gedacht: ich habe nie geküßt —. Doch da glitt gewissermaßen eine fröhliche Gleichgültigkeit und süße Müdigkeit durch ihren Körper; ach Gott, warum dies alles so lächerlich feierlich nehmen. Sie tat es eben — warum sollte sie auch nicht —.