In der obersten Klasse gewann sie ein paar Freundinnen. Das war in dem Alter, wo kein Kind es erträgt, anders zu sein als die anderen. Sie versuchte es den Mädchen gleich zu tun. Viel Freude hatte sie von diesen Freundinnen übrigens nicht gehabt.

Sie entsann sich, wie die Mädchen sie verspotteten, als sie entdeckten, daß Jenny mit vierzehn Jahren noch mit Puppen spielte. Sie aber verleugnete ihre geliebten Kinder und sagte, sie gehörten den kleinen Schwestern.

In dieser Zeit war es auch, daß sie zur Bühne gehen wollte. Sie wie alle Freundinnen waren vollkommen versessen aufs Theater — sie verkauften Schulbücher und Konfirmationsbroschen, um sich Billets zu verschaffen. Abend für Abend saßen sie unten auf dem Sperrsitz für sechzig Oere. Aber eines Tages hatte sie verspielt, als sie erzählte, wie sie Eline Gyldenlöve darstellen würde.

Die Freundinnen lachten Sturm. Sie war also in der Tat völlig größenwahnsinnig. — Man wußte wohl, daß sie eingebildet war, aber nun war die Grenze erreicht. Sie bildete sich also tatsächlich ein, sie könne Schauspielerin werden! Sie, die nicht einmal tanzen konnte! Es würde hübsch aussehen, sie auf der Bühne herumwackeln zu sehen mit ihren langen, stocksteifen Stelzen —.

Auch damals hatte Jenny mit ihren Freundinnen nicht gebrochen. — Nein, sie konnte nicht tanzen. Als sie ganz klein war, pflegte die Mutter ihr Tänze vorzuspielen, während Jenny umhertrippelte, sich verneigte und drehte, wie es ihr in den Sinn kam; Mutter lächelte dann und nannte sie ihr kleines Linerle. Dann kam sie auf den ersten Schülerball, in feierlicher Freude, mit einem neuen grüngeblümten Kleid angetan, — oh, sie entsann sich dessen so deutlich. Es reichte ihr fast bis auf die Füße herab; Mutter hatte es nach einem alten englischen Bilde genäht. Sie erinnerte sich dieses Kinderballes. Noch konnte sie diese wunderliche Steifheit in allen Gliedern spüren —. Seitdem hatte dieses Gefühl ihren weichen schlanken Körper losgelassen, er wurde wie ein Holzstock, wenn sie den Versuch machte, selber das Tanzen zu erlernen. Sie konnte nicht. Schließlich wollte sie in die Tanzstunde gehen, aber dazu fehlten die Mittel.

Sie lachte. O diese Freundinnen! Zwei von ihnen hatte sie auf der Ausstellung wiedergesehen, als sie das erste Mal ein Bild ausgestellt hatte — und einige lobende Worte über sie in die Zeitung gekommen waren. Sie stand mit einigen Malern, darunter auch Heggen, zusammen, den sie damals aber nicht näher kannte. Da kamen die Freundinnen heran und gratulierten:

„Das haben wir schon in der Schule gesagt, Jenny wird Künstlerin. Wir waren alle so überzeugt, daß aus dir noch einmal etwas werden würde.“

Sie hatte gelacht:

„Ich auch, Ella.“

Seit jener Zeit war sie allein gewesen. —