Sie stellte ein kleines Taburett hinaus und brachte Brot und Käse herbei. Gram betrachtete ihre bloßen weißen Arme und die langen Aermel des Kimono, die um sie herflatterten. Das Gewand war dunkelblau, mit gelben und violetten Iris durchwirkt.
„Wie wunderhübsch ist das Kleid — ein echtes Geishagewand!“
„Ja, es ist auch echt. Franziska und ich kauften uns beide eines in Paris — für die Morgenstunden im Hause.“
„Das liebe ich an Ihnen, daß Sie so gut gekleidet umhergehen, auch wenn Sie allein sind.“ Er zündete sich eine Zigarette an und blickte in den Rauch. „Ach — des Morgens daheim — das Mädchen und Mutter und Schwester liefen umher und sahen aus wie —. Finden Sie nicht, Frauen müßten sich so schön machen, als es ihnen nur möglich ist?“
„Doch. Aber es geht nicht, wenn man des Morgens den Haushalt in Ordnung bringen muß, Gram.“
„Zum Frühstück jedenfalls könnten sie sich doch das Haar machen und ein Kleid anziehen wie dies da, nicht wahr?“ Im selben Augenblick fing er eine Teetasse auf, die sie mit dem Zipfel ihres Aermels beinahe heruntergerissen hätte.
„Nun, da können Sie sehen, wie praktisch das ist — so, trinken Sie nun Ihren Tee, Sie waren ja so durstig.“ Sie entdeckte plötzlich Franziskas sämtliche helle Strümpfe, die zum Trocknen draußen hingen, und raffte sie in etwas nervöser Hast zusammen.
Er aß und trank, während er sprach.
„Ja, sehen Sie — ich lag und überlegte gestern, bis fast zum Morgen. Darum verschlief ich und hatte nicht mehr Zeit, noch in eine Latteria zu gehen. Ich finde, wir sollten auf die Via Cassia hinauswandern, zu dem Plätzchen, wo Ihre Anemonen stehen.“
„Das Anemonenplätzchen.“ Jenny lachte leise. „Als Sie ein Junge waren, Gram, hatten Sie da auch Anemonenwinkel und Veilchenplätzchen und dergleichen, wo Sie jedes Jahr Ihre Blumen holten, die Sie vor den anderen Kindern verheimlichten?“