„Finden Sie den Namen Helge nett?“ fragte er, als sie später in einer Osteria, weit draußen in der Campagna, zusammen bei Tisch saßen und zu Mittag speisten.
„Ja, er ist hübsch.“
„Wissen Sie, daß ich mit Vornamen Helge heiße?“
„Ja, ich sah, daß Sie sich im Verein hatten eintragen lassen.“ Gleichzeitig errötete sie, denn ihr fiel ein, daß er wohl denken könnte, sie hätte danach geforscht.
„Ja, ich glaube auch, der Name ist hübsch. Im Grunde gibt es wenige, die hübsch oder häßlich sind, nicht wahr? Kennt man irgend jemanden, der diesen oder jenen Namen hat, so kommt es darauf an, ob man diesen Menschen leiden mag oder nicht. Als ich ein Knabe war, hatten wir ein Kindermädchen, das Jenny hieß, die konnte ich nicht ausstehen. Seitdem meinte ich immer, es sei ein häßlicher und gewöhnlicher Name und ich fand es so unglaublich, daß Sie Jenny hießen. Jetzt dagegen finde ich den Namen wunderhübsch, gleichsam so blond. Hören Sie nicht, daß sein Klang ganz lichtblond ist? Jenny — eine dunkle Frau kann so nicht heißen, Fräulein Jahrmann zum Beispiel nicht. Franziska paßt nun wieder genau zu ihr, nicht wahr? Der Name ist so kapriziös, Jenny aber ist so hell, so frisch und klar.“
„Ich bin nach meinen Vorfahren so genannt. Es ist ein Familienname väterlicherseits,“ erwiderte sie, nur um etwas zu sagen.
„Was stellen Sie sich zum Beispiel unter einer Rebekka vor?“ fragte er kurz darauf.
„Ich weiß nicht. Ist das nicht ganz hübsch? Vielleicht ein wenig hart und klappernd.“
„Meine Mutter heißt Rebekka,“ sagte Helge nach einer Weile. „Ich finde auch, es klingt hart. Und meine Schwester heißt Sofia. Sie heiratete, nur um von Hause fortzukommen und in ein eigenes Heim, davon bin ich überzeugt. Ist es nicht merkwürdig, daß meine Mutter so entzückt war, sie verheiraten zu können? selbst hat sie mit meinem Vater wie Hund und Katze gelebt. Aber der Staat, der mit Kaplan Arnesen gemacht wurde, war grenzenlos, als meine Schwester und er sich verlobten. Ich kann meinen Schwager nicht ausstehen. Ich glaube auch, mein Vater kann ihn nicht leiden. Aber Mutter. — Meine ehemalige Verlobte hieß Katharine, sie wurde aber immer nur Titti genannt. Ich sah, daß sie auch Titti in die Zeitung setzen ließ, als sie sich verheiratete. Sie können mir glauben, das war eine dumme Geschichte. Es ist jetzt drei Jahre her. Sie hatte eine Vertretung an der Schule, wo ich Lehrer war. Hübsch war sie nicht im geringsten, nur rasend kokett allen Männern gegenüber; ich aber hatte es niemals erlebt, daß eine Dame sich etwas daraus machte, mit mir zu kokettieren. Das können Sie sich vielleicht denken, wenn Sie sich erinnern, welch eine Figur ich im Anfang hier unten machte. Und außerdem lachte sie immer — sie sprühte Funken, wenn sie sich nur bewegte. Sie war erst neunzehn Jahre alt, Gott weiß, warum sie mich eigentlich nahm —. Ja, dann war ich natürlich rasend eifersüchtig, und das machte ihr Spaß. Je eifersüchtiger sie mich machte, desto verliebter wurde ich. Vielleicht war es meine Männereitelkeit — aber ich hatte nun einmal eine Braut, die rasend umschwärmt war. Ich war damals ja noch sehr grün. Natürlich verlangte ich, sie sollte sich einzig um mich bekümmern, das war vermutlich ein ziemlich unbilliges Verlangen, so wie ich damals war. Wie gesagt, der Herrgott mag wissen, was Titti mit mir wollte. Zu Hause wollten sie, das Verlöbnis sollte noch geheimgehalten werden, weil wir so jung waren. Titti wollte es aber gern veröffentlichen, sie pochte darauf, daß ich fände, sie sei zu sehr von anderen in Anspruch genommen, daß sie aber nicht ausschließlich mit mir zusammen sein könnte, wenn wir nur heimlich verlobt wären. Sie kam dann nach Haus zu uns. Aber Mutter und sie zankten sich immer. Titti haßte Mutter geradezu. Im übrigen wäre es immer genau dasselbe gewesen, mit wem ich mich auch verlobt hätte. Mutter genügte der Umstand, daß sie meine Braut war. Ja, dann löste Titti die Verbindung.“
„Waren Sie sehr unglücklich?“ fragte Jenny leise.