„Du bist ja so herrlich, so herrlich. Ich hab dich so lieb — weißt du, wie ich dich liebe, Jenny? Ich will hier auf dem Boden liegen, dir zu Füßen — setz die kleinen schmalen Schuhe auf meinen Nacken — tu es!“ Er warf sich plötzlich lang vor ihr nieder, versuchte, ihre Beine hochzuheben und ihre Füße auf seinen Kopf zu legen.
„Helge. Helge!“ Seine plötzliche Heftigkeit jagte einen kurzen Schreck durch ihren Körper. Aber ich habe ihn doch lieb, sagte sie zu sich selbst. Fürchte ich mich denn vor dem, was mein Geliebter will? Sie fühlte seine brennend heißen Hände durch die dünnen Strümpfe.
Als sie aber merkte, daß er sie unter die Schuhsohle küßte, stieg plötzlich ein Unwillen in ihr empor. In einem verwirrten Gefühl von Angst und Unlust lachte sie gezwungen auf.
„Nein Helge, laß sein — die Schuhe, mit denen ich auf den schmutzigen Straßen umhergehe!“
Helge Gram richtete sich auf — ernüchtert und gedemütigt. Sie suchte es wegzulachen:
„Bedenke doch, die Schuhe — du kannst dir doch denken, daß Tausende von ekelhaften Bakterien daran kleben.“
„Ach, du Pedant! Und du willst Künstlerin sein?“ Jetzt lachte er auch. Uebertrieben lustig, um seine Verwirrung zu verbergen, nahm er sie in seine Arme, während sie beide aus vollem Halse lachten: „Reizende Braut, laß mich sehen — gewiß doch. Du riechst nach Terpentin und Oelfarben.“
„Unsinn, Geliebter! Ich habe bald drei Wochen lang keinen Pinsel angerührt. Du sollst dich aber waschen, bitte sehr.“
„Hast du vielleicht Karbolwasser, damit ich gehörig desinfiziert werde?“ Er überfiel sie mit eingeseiften Händen. „Frauenzimmer sind chemisch gereinigt von aller Poesie, sagte mein Vater immer.“
„Ja, darin hat dein Vater Recht, Junge!“