„Begreifst du, was sie mit ihm will?“ fragte Franziska wieder.

„Das begreift man in den meisten Fällen nicht, Cesca. Besonders, was ihr mit diesem oder jenem Menschen wollt. Ich glaube bei Gott,“ er lachte leise vor sich hin, „wir bilden uns ein, daß wir wählen. Aber wir gleichen unseren Brüdern, den unvernünftigen Tieren, mehr, als wir zugeben wollen. Eines schönen Tages ist über unsere Liebe verfügt, wobei unsere natürliche Veranlagung die Hauptschuld trägt, während Ort und Gelegenheit das Uebrige tun.“

„Ich verstehe dich nicht, Gunnar,“ sagte Franziska und zog die Schultern hoch. „Ist denn so über dich dauernd verfügt worden?“

Gunnar lachte — ein wenig unwillig:

„Vielleicht nie — in genügendem Maße. Ich habe nie den kritiklosen Glauben an eine Frau, daß sie die einzige sei, kennen gelernt. Der gehört aber auch mit zur rechten Liebe, und wiederum ist die natürliche Veranlagung des Menschen die Ursache dazu.“

Franziska starrte gedankenvoll vor sich hin:

„Es mag häufig der Fall sein. Aber es kommt auch vor, daß man einen bestimmten Menschen liebt, ohne daß Zeit und Umstände die Triebfeder sind. Ich — ich liebe jenen Mann, weil ich ihn nicht verstehe. Ich konnte es damals nicht fassen, daß es Menschen seiner Art geben sollte. Ich wartete auf ein Ereignis, das alles, was ich gesehen und beobachtet hatte, ins rechte Licht rücken und erklären würde. Ich grub nach einem verborgenen Schatz — und da wurde ich besessen, je länger ich grub. Und der Gedanke, daß eine andere Frau ihn finden könnte, brachte mich schließlich an den Rand des Wahnsinns. — Es gibt Menschen, die einen anderen lieben, weil dieser in ihren Augen vollkommen ist, weil sie in ihm gefunden haben, wonach es sie verlangte. Hast du nie die Liebe gekannt, die dich nur Gutes und Schönes und Edles an einem Weibe sehen ließ, so daß du alles an ihm lieben mußtest?“

„Nein,“ sagte er kurz.

„Ja, aber das ist erst die richtige Liebe. Meinst du nicht? Und ich hätte gewünscht, daß Jenny auf diese Art lieben würde. Aber so kann sie Gram nicht lieben.“

„Ich kenne ihn eigentlich gar nicht, Cesca. Ich weiß nur, er ist nicht so dumm wie er aussieht, wie man zu sagen pflegt. Das heißt, ich glaube, er ist bedeutender, als man nach dem ersten Eindruck denken sollte. Jenny hat wohl gemerkt, wes Geistes Kind er eigentlich ist.“