Cesca schwieg. Sie entzündete eine Zigarette und ließ das Wachszündhölzchen ausbrennen, mit den Augen gedankenvoll der Flamme folgend.

„Hast du nicht bemerkt — er fragt immer ‚finden Sie nicht?‘ und ‚stimmt das nicht?‘ und so. Liegt nicht etwas Feminines oder Unfertiges über ihm?“

„Vielleicht. Aber es kann ja sein, daß gerade dies Jenny angezogen hat. Sie ist ja stark und auch selbständig. Vielleicht mag sie am liebsten gerade einen Mann, der schwächer ist als sie selber.“

„Ich will dir etwas sagen, Gunnar. Ich glaube gar nicht, daß Jenny so stark und selbständig ist. Sie war aber auch auf sich selber angewiesen. Daheim mußte sie unterstützen und helfen und selbst besaß sie keine Seele, bei der sie Schutz suchen konnte. Als wir uns kennen lernten, nahm sie sich meiner an, weil sie sah, daß ich viel weicher war als sie und ihrer bedurfte. Jenny hat immer Menschen getroffen, die bei ihr Zuflucht suchten. Auch Gram bedarf ihrer. Ja, sie ist stark und sicher, sie fühlt es auch, und niemand bittet vergebens um ihre Hilfe. Aber kein Mensch vermag auf die Dauer immer Anderen eine Stütze zu sein, ohne je selber zu empfangen. Begreifst du denn nicht, daß sie furchtbar einsam werden muß, wenn sie immer die Stärkste sein soll? Sie ist allein, und heiratet sie diesen Menschen, so wird es auch nicht anders. Alle sprechen wir mit Jenny über uns selbst, sie aber hat niemanden, mit dem sie reden kann. Oh, Jenny sollte einen Mann haben, zu dem sie aufsehen könnte, dessen Autorität sie fühlte, zu dem sie sagen könnte: so und so habe ich gelebt, so habe ich gearbeitet und so habe ich gekämpft, denn so, meinte ich, sei es recht gewesen. Sie sollte einen Menschen haben, der über ihr Recht und Unrecht zu entscheiden imstande ist. Gram kann es nicht, er ist ihr unterlegen. Und dann kann sie auf sein Urteil nicht vertrauen, nicht wahr? Der Mann, den Jenny braucht, muß genügend Autorität besitzen, um ihre Gedanken zu bestätigen oder zu verwerfen. ‚Nicht wahr?‘ und ‚finden Sie nicht?‘ — jetzt sollte Jenny so fragen dürfen!“

Sie schwiegen beide lange, dann blickte Heggen auf und sagte:

„Es ist recht seltsam, Cesca. Gilt es deine eigenen Geschichten, so weißt du meistens weder aus noch ein. Wenn du aber über die Angelegenheiten anderer sprichst, so habe ich oft den Eindruck, als sähest du am klarsten von uns allen.“

Franziska seufzte schwer auf:

„Darum habe ich ja auch oft die Idee, ins Kloster zu gehen, Gunnar. Wenn ich außerhalb des Ganzen stehe und es beschaue, so glaube ich, alles zu begreifen. Wenn ich aber selbst mitten drin sitze, so verwirrt es mich vollständig.“

XI.

Die saftigen, blaugrünen Riesenblätter der Kaktusbüsche waren zerrissen von Namen, Buchstaben und Herzen. Helge stand und schnitzte ein H und ein J hinein. Jenny hatte den Arm um seine Schulter gelegt und sah ihm zu.