der Zärtlichkeit dieser schönen Königinn andern Ungemachen ausgesetzt seyn, als diejenigen sind, die durch eine unbekannte Ursache auf San Domingo hervorgebracht wurden.

Man weis zur Gnüge, daß auch noch in unsern Tagen die Kakomonade nicht die einzige gefährliche Macht ist, welche an solchen Orten, wie jene waren, die die Gräfinn von Avignon in ihren Schutz nahm, herrschet. Nichts also kann die Feste meiner Grundsätze erschüttern. Es ist evident, daß bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts die Vergnügungen wenig ansteckend waren. Man konnte sich ihnen noch ohne viele Furcht überlassen, als ein Italiäner es für gut fand, die Kakomonade Europen, und durch Europen der ganzen Welt mitzutheilen.

Achtes Kapitel.

Einführung der Kakomonade in Europa, und in Frankreich.

Dreihundert Jahre sind es, daß uns ein Genueser das Glück verschaffte, Amerika zu kennen. Man ist nicht im Stande, sich genug bei den Vortheilen aufzuhalten, die uns daraus zugeflossen sind. Diese Entdeckung brachte uns das Vergnügen zu Wege, auf unsern Kleidern Tressen zu tragen, und um das Dreifache mehr für das Brod — zu bezahlen. Seit diesem glücklichen Augenblicke ists, daß unsre Frauenzimmer Papageien, und unsre Matrosen den Scharbock haben. Seit dieser Zeit fand man sich in Europa in den Stand gesetzt, Jahr für Jahr nach allen Regeln zweimal hundert tausend Menschen

zu erwürgen, anstatt, daß zuvor die durch das Kriegs- und Völkerrecht gesetzgekräftigten Massakres sich höchstens auf beiläufig sechzig tausend beliefen.

Das erste Schiff, welches so, mit den Produkten der neuen Welt befrachtet, in Spanien anlandete, erregte da ein allgemeines Erstaunen. Man ward nicht müde, die Helden zu bewundern, welche so weit her, und mitten durch so große Gefahren, neue Quellen für die Glückseligkeit des Menschengeschlechtes geholet hatten. Man ward entzückt, da man die Frucht ihrer Arbeiten erblickte.

Auf dem Verdecke, und an den für das Auge angenehmsten Orten nahm man kurze Gewänder von rothen Federn wahr, die mit dem Blute der Indianer gemalet waren; Ohrringe, an denen die Spitzen der Ohren hiengen, von denen man sie abgerissen hatte;

Ringe, die man sammt den Fingern ihrer vormaligen Besitzer mit übergeführet hatte; goldne Nasenringe sammt den Nasen, die lange Zeit damit sich gebrüstet hatten.