Diese Stürme waren mit der Epoche, womit Herr Ralph seine Geschichte beschließt, nicht, wie man etwa denken konnte, vorüber. Die mühsame Vereinigung, welche die
Noth unter allen Gefährten Kandidens veranlaßt hatte, war von kurzer Dauer. Die kluge Alte war das Band der Gesellschaft: sie starb, und das Gebäude, zu dem sie so viel beigetragen hatte, zerfiel mit ihrem Tode.
Kunegunde, ihres guten Rathes beraubt, begieng eine Thorheit auf die andre. Die letzte davon war, daß sie bei Barzellona mit einem Korsaren auf dem mittelländischen Meere kreuzen schiffte. Bald darauf machte sich auch Kandide, bloß von Martinen begleitet, unsichtbar, ohne Zweifel nicht so viel, um seiner theuern Hälfte wieder habhaft, als um des Verdrusses, daß er sie geheurathet hatte, los zu werden.
Der Bruder Giroflee gieng einige Zeit vorher unter die Janitscharen. Panglos reiste mit Paquetten ab, um, falls er ihn treffen konnte, seinem Zöglinge Trost einzusprechen. Die kleine Mayerei blieb das Eigenthum des einzigen Kakambo, der zufolge des Kaim Akan von Konstantinopel, nachher Oberrichter geworden ist, aber trotz dieser Würde, sich so gut, als seine Herrschaften, neuen Unglücksfällen ausgesetzt fand.
Der Doktor, und seine Gefährtinn bestanden ein klein griechisch Kaufmannsschiff, um darauf nach Smirna zu fahren, wo sie sich Rechnung machten, einige Schiffe zu finden, um nach Europa zu kommen, in der Hoffnung,
daß Kandide diese Strasse eingeschlagen hätte. Unglücklicherweise hatte an der Küste von Mar di Marmora Paquette wieder Lebhaftigkeit, und Farbe gewonnen. Der Patron würdigte sie seiner Aufmerksamkeit. Dieser eifrige Muselmann fand sie weiß, wie eine Lilie, und frisch wie eine Rose, und sah sie für eine Zirkassierinn an, die aus irgend einem Serrail entwischet wäre. Er trug Bedenken, so viele Reize den Unbeschnittenen zuzuführen. Statt also, sie zu Smirna ans Land zu setzen, führte er sie in Aegypten, wo er sie um tausend Zekine an den Bascha von Kairo verkaufte.
Mittels einer sehr sinnreichen, und der Schule eines Leibnitz ganz würdigen Verkleidung fand Panglos den Weg, sie zu entführen. Sie durchstrichen hierauf ganz Asien. Die Kette ihrer Begebenheiten zog sie bis nach China, wo sie Kunegundens Bruder, Herrn Baron von Donnerstrunkshausen wieder fanden. Der war noch immer der alte Starrkopf, der alte Jesuite. Er gab sich hier, wie man im Verfolge dieses Werkes sehn wird, mit dem Gewerbe nützlicher Künste ab. Endlich trafen sie nach einer Menge neuer Märsche, und mehr, oder minder trauriger Trennungen zu Paris wieder zusammen. Paquette gab sich hier einen indianischen Namen. Durch diesen Kniff,
und durch die Neugierde, die sie gegen sich erregte, machte sie in kurzer Zeit ihr Glück, trotz dem, daß ihre Reisen sie etwas gebräunet hatten.
In ihrem Glücke verlor sie Panglosen nicht aus dem Gedächtnisse. Sie gab ihm bis zu seinem Tode, der sich den 11ten Dezember des vorigen Jahres ereignete, seinen Unterhalt. Er hatte ziemlich schnell das Französische begriffen, und das Werk, das wir hier herausgeben, selbst in diese Sprache übersetzt. Er hat es, wie man sehen wird, seiner Wohlthäterinn zugeeignet, und diese hat uns das Mannuskript davon mitgetheilt.
Man fand unter seinen Papieren viele andere Bemerkungen, in sehr guter Ordnung. Sie enthalten alle seine Reisen von der ersten von Konstantinopel aus angefangen.