Fräulein Paquette übernahm selbst die Sorge, sie durch sichre Hände an Herrn Ralph gelangen zu lassen; und wir wissen ganz zuverläßlich, daß dieser Gelehrte des Vorhabens ist daraus einen Zweiten Theil zur besten Welt zu verfassen, dessen Ausgabe nicht lange ausbleiben wird. Hierbei bedienen wir uns mit Vergnügen der Gelegenheit, das Publikum aus einem Irrthume zu ziehn. Man hat bei einigen nachgedruckten Ausgaben der besten Welt auf den Titel

gesetzt, daß Herr Ralph gestorben wäre. Ja man führte sogar den Ort und das Jahr dieses Vorfalls an, der, wie man sagt, sich zu Minden im Jahre Christi 1759. ergeben hat.

Ohne Zweifel kömmt dieses Gerücht von des Herrn Doktors Feinden her. Sie gaben vor, er hätte sein Leben auf einem Schlachtfelde geendigt, gewiß nur, um verstehen zu geben, daß er vor Furcht gestorben. Diese Nachricht ist falsch. Der unsterbliche Herr Ralph befindet sich, zum Verdrusse seiner Neider, noch bei den besten Kräften. Die Herausgabe des zweiten Theils seines Werkes wird davon eine Probe seyn. Um

ihn erscheinen zu lassen, erwartet er nur noch die Landkarten, womit er ihn versehen will; eine Vorsicht, deren Außerachtlassung beim ersten Theile er sehr bedauert.

Vom Verdienste des Doktor Panglos, als Schriftstellers, wird das Publikum das Urtheil sprechen. Wir zweifeln nicht, daß man dieses Werk seines Ruhmes würdig finden werde. Was uns Anfangs befremdete, war nur der Gegenstand desselben. Herr Ralph nannte das Kind, das sein Held aus seinen Versuchen in der Experimentalphisik erhielt, ohne Umschnitte beim rechten Namen. Allein selbst dieser soll, nachdem er es im Französischen zu einer vollständigen,

Kenntniß gebracht, und die Doppelsinnigkeiten, und die falsche Delikatesse dieser Sprache näher eingesehen hatte, es, wie man uns versicherte, nie gewagt haben, sich die Freiheit seines Geschichtschreibers zu erlauben. Er suchte Wendungen, und gab seinem Buche den ehrbaren Namen, den wir ihm hier beibehalten haben.

Man kann sich einbilden, daß diese Herabstimmung, ihm vieles kostete. Wir haben in seinen Schriften davon Proben gefunden. Er hatte sogar gegen diese sogenannte Delikatesse eine Abhandlung angefangen, wobei wir sehr bedauern, daß er sie nicht zu Ende bringen konnte. Der

Herr Doktor machte sich darinnen mit einem seiner würdigen Nachdrucke gegen diese lächerliche Wohlanständigkeit auf, welche die Artigkeit mehr in den Worten, als in den Dingen sucht, und sich über Ausdrücke, aber nicht über die Begriffe entrüstet. Er legte lebhaft seine Befremdung an den Tag, daß rechtschaffne Leute in Europa sich nicht getrauen, eine Ursache, von der sie alle Tage die Wirkung zu befahren haben, bei ihrem Namen zu nennen. Er sprach über diesen Gegenstand als ein erfahrungsvoller Philosoph, und als ein vollkommener Leibnizianer.

Unterdessen wollen wir zur Rechtfertigung der Franzosen, bemerken,

daß sie nicht die Einzigen sind, die sich auf diese unvernünftige Gewissenhaftigkeit etwas zu Gute thun können. Die Italiäner haben beinahe die nämliche Schwachheit: sie nennen die größere Schwester der kleineren Pocke mal Francese, obgleich sie unstreitig weder an der Seine, noch an der Rhone bürtig ist. Wahr ists, sie besucht diese Flüsse öfters, und unterhält sich vorzüglich mit den Nymphen, die diese Gestade verschönern; aber doch ist sie da nicht geboren, und die wälsche Paraphrase ist weder richtig an sich selbst, noch artig im Bezuge auf die benachbarten Völker.