Eilftes Kapitel.

Hilfsmittel, derer man sich gegen die Anfälle der Kakomonade bedient. Warum nicht die Aerzte den Kampf mit ihr wagen?

Die Geschichte erzählt, daß bei der ersten Schlacht zwischen den Römern und Griechen, diese, da sie die Sieger blieben, sich zur Unterhaltung mit der Untersuchung der Wunden beschäftigten, welche ihre Kriegsgenossen, die im Gemenge umgekommen waren, empfangen hatten. Sie entdeckten gespaltene Köpfe, abgehauene Arme, und an Brust, und Rücken durchschossene Körper. Die Geschichte setzt hinzu, daß so, wie ihre Waffen sie nur etwas aufritzten, sie den Gedanken

nicht aushalten konnten, sich mit Leuten zu schlagen, die solche Hiebe austheilten. Der bloße Anblick eines italiänischen Säbels machte in der Folge sie zittern; und dieser Schrecken, trug nicht wenig bei, ganz Griechenland der Macht der Römer unterwürfig zu machen.

Man kann sagen, daß es bei der Ankunft unsrer Reisenden das nämliche Bewandniß hatte. Die Doktoren hatten sich mit den Bürgerinnen unsrer Himmelsstriche vertraut. Sie kurirten ohne Anstand die Unverdaulichkeiten, die Fieber, und andere Krankheiten, welche durch unsere Wehen ihre Glücksgüter befestigten. Aber das Vertrauen auf ihre Kunst fiel bei dem Anblicke eines Gesichtes, wovon Hyppokrates keine Züge anatomirt hatte. Bei der Herannäherung dieses furchtbaren und unbekannten Feindes sah man sie die Flucht ergreifen.

Es ist wahr; ihre Gegenwart kündigte sich durch etwas schreckliche Zeichen an. Man ließ seine Nase im Schnupftuche zurück. Man spuckte seine Zunge aus, und die Drüsen, die sie stärken. Wenn man einen Stein werfen wollte, so erstaunte man, daß man seinen Arm hinweggeschleudert habe. Man fand sich ganz in den Zustand der Wächter des Serails versetzt, denen die Vorsicht der Türken das Vermögen nimmt, auch nur den Schatten eines Verdachts erregen zu können. Man sah eine so schreckliche neue Erscheinung als die stärkste Waffe des Todes an. Man überredete sich, das Menschengeschlecht sei durch diese neue Art, mit der es angegriffen wurde, seinem Untergange nahe gebracht.

Um das Maaß der Furcht vollzufüllen, bildete man sich ein, sie wäre so ansteckend als die Pest. Man wußte nicht, daß es nur eine Art gäbe, sich ihr auszusetzen, und daß

man immer die Freiheit hätte, sich davor zu verwahren. Das Mißtrauen war in die ganze Gesellschaft verbreitet. Jeder zitterte für seine Person. Unbarmherzig entfernte man sich von den Unglücklichen, die damit geschlagen schienen. Gleichzeitige Schriftsteller gestehen, daß viele davon, welche man aus allgemeiner Furcht verlassen hatte, in der Tiefe der Wälder zu Grunde giengen.

In dieser allgemeinen Beklommenheit verlor die Fakultät ihren Kopf, Eskulap, aus seiner Fassung gebracht, hörte auf, Orakelsprüche zu geben. Das war keiner jener Augenblicke mehr, wo mit lauem Wasser, und einem Strome von Beredtsamkeit ein Doktor aus der Kraft der Natur sich seine Ehre machen konnte. Hier blieb sie in der Unthätigkeit; sie wurde auf der Stelle überwältigt. Mit großem Geschrei rief sie die Kunst zu Hilfe, und die betroffene, gedemüthigte Kunst konnte nur ihr unnützes Mitleid