»Was mag er getan haben?« fragte sie sich.
Dann bekam sie wieder die große Wut, als er anfing, auf das Pferd einzupeitschen, das brave Tier so wütend vorwärts trieb, daß es in der nächsten Schneewehe zusammenbrechen mußte.
»Sie sind so blöd, wie Sie gemein sind,« sagte sie kalt. »Gerade wenn Sie's eilig haben, schonen Sie das Pferd! Wenn es an der nächsten Meile kaputt ist, sind Sie genau so weit, wie vor einer halben Stunde, als ich Sie aufnahm!«
Der Vagabund machte den Mund zu einem Fluch auf und zeigte seine langen, verfärbten, brüchigen Zähne. Sie hielt dem Blick stand, die Wut wurde größer als ihre Angst.
»Kesses Frauenzimmer! Aber Maul halten! Hab' anderes zu denken!« kommandierte er.
Dann sah er ein, wie recht sie hatte, und hetzte den Gaul nicht mehr. Ja, als seine Erregung sich allmählich legte, kutschierte er mit soviel Verständnis, wie Melissa selbst. Aus der Tatsache, daß er das Tier schonte, erkannte Melissa, daß er noch weit zu fahren habe.
»Gut,« sagte sie zu sich, »wenn wir nur so weit kommen, daß mein Vater mich hört. Dann halten wir ihn!«
Während der nächsten zwei Meilen wurde kein Wort gesprochen. Der Mond stand jetzt hoch über den sturmverwehten Fichten, stahlblau und tötlich kalt schien er auf die unberührte Schneefläche.
Sie erreichten einen Punkt, von dem eine andere Straße nach links abwich und etwa zwanzig Meilen weit zur amerikanischen Grenze führte. Der Fremde drehte den Pferdekopf nach links.
»Halt!« schrie Melissa, »ich will nach County-Line!«