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So früh war es noch, daß das Land still lag, als erwartete es den Tag der Pfingsten. Die Luft war voll von blauem Nebel, der wogte wie Schleier um die Sonne und putzte sie so blank und hell, daß es schien, als sei sie etwas ganz Neues, Junges, das dem ersten Morgen entsteigt.

Der Mann und das Kind traten aus dem Tor. „Nun wandern wir ins Abenteuerland,“ sagte sie und lief voll Freude in den goldenen Dunst des Morgens hinein. „Siehst du mich noch, Richard?“

Er eilte hinter ihr her. O ja, er sah sie schon, er konnte lange Schritte machen und blieb nicht weit zurück. — „Wohin gehen wir?“ fragte er, als er sie wieder erreicht hatte.

„Wohin wir gehen? O, das wollen wir nicht wissen, das werden wir schon finden.“

Das Dorf lag bald hinter ihnen. Der Hohlweg führte hinauf zur freien Höhe.

„Siehst du, Richard, da schlafen alle Blumen noch. Die blauen Glocken haben sich geschlossen, und die Erdbeerblüten ruhen noch ein wenig von ihren Pflichten aus. Sie müssen sich ja so schrecklich eilen: kaum haben sie ihr goldenes Pelzherzchen, da soll es schon grün sein: kaum ist es grün, so sieht es der Wanderer an, ob es das Erröten noch nicht lernt. Und erst muß es doch weiß werden —“

Sie hatte sich herunter gebeugt zu den Erdbeerblüten am Wegrand. „Adieu, kleine Blumen, und eilt euch nicht so sehr. Seid klug wie sparsame Menschen, die sich zwölfmal besinnen, ehe sie sich verschenken.“

„Es muß an sonnigen Stellen doch jetzt schon Erdbeeren geben,“ meinte der Mann.

„Wir wollen ihnen nichts tun. Wir wollen sie alle das Fest des Sommers feiern lassen. Komm doch, komm — hier sind wir oben, und alles ist voll Sonne. Nun müssen wir tapfer laufen — dem Wind nach. Fühlst du, wohin er streicht?“