„Siehst du, dem jungen Sommer zu Ehren hat es sich ganz smaragdgrün angezogen, daß es nicht vom Grase absticht. Und die armen Mücken meinen dann, es ist ein freundliches, grünes Blatt, auf das sie sich setzen — sieh doch, wie es guckt! Ja, du Eidechsin, du junge, was willst denn du? Sei froh, daß ich nicht so böse bin wie ich aussehe, sonst nähme ich dich mit heim und sperrte dich in einen Glaskasten, und du müßtest ein Familientier sein! Lauf’ doch, adieu, geh fort!“

Aber die Eidechsin wollte bleiben; sie lief in Leonores Ärmel hinein, kam beim Hals wieder heraus, und es gefiel ihr da auf der warmen Haut so gut, daß sie sich ruhig niederließ.

„Mögen dich alle Tiere so gern leiden?“

„Die merken es schon, wenn man sie lieb hat.“

Nach einer Weile sagte Leonore: „Wenn du erlaubst, bin ich jetzt recht hungrig. Da drüben ist eine Kirche, folglich gibt es auch eine Schenke. Führst du mich hin und bestellst du auch das Wunderschönste zum Essen?“

Er war bereit. Im Dorf herrschte schon volle Tagesgeschäftigkeit. In der Schenke stand eine Frau am Herde, mit der begann Freyer eine Beratung. Das dauerte gar lange, und als er endlich die Gaststube betrat, fand er Leonore in eifrigem Gespräch mit einem alten Handwerksburschen.

„Junges Fräulein,“ sagte der Handwerksbursch von verwittertem Aussehen, „ich darf sagen, daß ich die Welt kenne. Ich bin im Preißischen gewest und im Welschland und im Elsaß, und überall war ich g’ehrt und g’acht.“

„Und hab’ es doch zu nichts gebracht,“ reimte Leonore, aber sie sah den Verwitterten so freundlich dazu an, daß der gar nicht beleidigt war, sondern in ihr Lachen einstimmte.

„Junges Fräulein — ah, da ist der Herr Papa, ich hab’ die Ehre —“

„’s ist doch mein Hochzeiter, Wandersmann.“