„Lange nicht. Ich hatte doch zu unterrichten — machte eine wissenschaftliche Arbeit — studierte für die Zukunft.“
Leonore sah ins Feuer und schwieg.
Der Mann fing wieder an zu sprechen: „Lange, lange ist sie durch meine Träume gegangen, weißt du, immer als ein lieber Kamerad, ein armes kleines Seelchen, das wie ein verborgenes Lichtlein in der lauten, aufdringlichen Riesenstadt für mich gebrannt hatte. Wenn ich dann einsam war — und wie war ich einsam —, dann mußte ich immer an sie denken, wie sie mir meinen Kummer hatte tragen helfen, wie sie so ohne alle Scheu — vertrauensvoll alle meine Sorgen und Note mit mir trug, und wie sie so glücklich war, wenn ich sie mein kleines Mädchen nannte — mein kleines, reizendes Mädchen.“
Leonore dachte: nichts hat er sich halten können in seinem Leben, nichts. — Sie lag noch am Feuer — sie warf einen neuen Reisigbündel in die glimmende Asche. Der flammte auf, knisterte, brannte lichterloh.
„Du müßtest suchen gehen, sie zu finden, Richard. Warum tatest du es denn nicht?“
„Sie ist tot,“ sagte der Mann.
„Ist sie selbst in den Tod gegangen?“
„Ja.“
„Aus Mangel oder Kummer?“
„Es war — als sie damals den Freund nach mir fragte, da bot ihr ein Mann die Ehe an. Sie konnte schlecht Arbeit finden mit dem Kind. Da heiratete sie. Es ging ihr nicht gut ...“