„O nein,“ sagte sie still — „ich habe den Vitus nicht geliebt. Wir hatten nur Freude miteinander.“
Freyer fand, er würde sich nicht wundern, wenn es gewesen wäre. Er sei so seltsam anziehend.
„Lieber, du mußt dir nichts denken, es ist nie etwas gewesen, was ich dir nicht gesagt habe.“
„Und diese wunderlichen Freunde die er hat, Leonore. Ich weiß nicht, man könnte sich vor ihnen fürchten.“
„Fürchten?“ fragte Leonore sanft.
„Sie haben so etwas — so etwas Leidenschaftliches in ihren Gesichtern. So etwas Stürmisches. Bruder und Schwester sind einander so ähnlich —“
„Und du fürchtest dich vor ihnen. Weil sie schön sind, fürchtest du dich vor ihnen?“
Er lachte nur, aber das klang gezwungen. — —
Man hatte im Schloßhof unter den Linden zum Abendbrot gedeckt. Die Gäste kamen herunter.
Kelt bat, daß er Leonore zu Tisch führen dürfte, Freyer bot Julia Morton den Arm. Er entschuldigte sich, daß für den Bruder keine Dame da sei.